» Der Unterschied zur Suchmaschine
Bei Google musst du die richtigen Suchbegriffe treffen. Bei ChatGPT kannst du schreiben, wie du denkst – auch unsortiert, auch mit Rückfragen. Genau das ist der Unterschied zwischen „ich google mal zwei Stunden“ und „ich habe in zehn Minuten einen brauchbaren Entwurf“.
Der Preis dafür: Eine Suchmaschine zeigt dir Quellen. ChatGPT gibt dir eine Antwort, ohne dass du siehst, worauf sie beruht. Das ist bequem und gefährlich zugleich.
» Fünf Aufgaben, bei denen es wirklich hilft
1. Texte entwerfen und überarbeiten. Newsletter, Social-Media-Posts, Angebotstexte. Nicht als Endergebnis, sondern als erster Entwurf, den du umschreibst. Der leere Bildschirm ist das eigentliche Problem, und den löst es zuverlässig.
2. Ideen entwickeln. Du hängst bei einem Thema fest, brauchst zehn Blickwinkel auf dieselbe Frage oder willst wissen, wie man ein Angebot aufbauen kann. Dafür ist es besser als jede Brainstorming-Methode allein am Schreibtisch.
3. Erklären und zusammenfassen. Ein langer Vertragstext, ein Fachartikel, eine E-Mail, die du dreimal gelesen hast und immer noch nicht verstehst. Lass es dir erklären – und lies dann das Original.
4. Recherche beschleunigen. Statt eine Stunde zu suchen, lässt du dir die wichtigsten Punkte strukturieren und schaust dann gezielt weiter, wo es relevant wird.
5. Prozesse durchdenken. Du willst eine neue Leistung anbieten und weißt nicht, was alles dazugehört. ChatGPT geht mit dir Schritt für Schritt durch, was du bedenken musst.
» Warum deine Ergebnisse beliebig klingen
Das ist die häufigste Enttäuschung – und sie hat fast immer denselben Grund. „Schreib mir einen Newsletter“ liefert einen Newsletter, wie ihn alle bekommen.
Was den Unterschied macht, ist Kontext: für wen, in welcher Situation, in welchem Ton, was soll am Ende passieren, was auf keinen Fall vorkommen. Je genauer du bist, desto weniger musst du umschreiben. Nenn auch, was du nicht willst – das ist oft wirkungsvoller als die Wunschliste.
Tipp: Gib ihm einen Text von dir als Beispiel und bitte darum, den Ton zu treffen. Das ist der schnellste Weg raus aus der Marketingsprache.
» Wo die Grenzen sind
Es kennt dein Business nicht. Es weiß nicht, wer deine Kundinnen sind, was bei dir funktioniert hat und was nicht. Alles, was es nicht von dir bekommt, erfindet es plausibel.
Es erfindet Fakten. Zahlen, Studien, Zitate, Gesetzesparagrafen – wenn es nichts weiß, entsteht trotzdem eine flüssige Antwort. Alles, was nach überprüfbarer Tatsache aussieht, musst du überprüfen.
Es ersetzt deine Expertise nicht. Es kann formulieren, was du weißt. Es kann nicht wissen, was du weißt.
» Was das für deine Sichtbarkeit heißt
Ein Punkt, den viele übersehen: KI-Systeme sind inzwischen selbst eine Art Suchmaschine. Menschen fragen ChatGPT nach Empfehlungen, statt zu googeln. Ob du dort auftauchst, hängt davon ab, wie gut deine Website maschinell lesbar ist – klare Struktur, echte Antworten auf echte Fragen, saubere Auszeichnung. Wie das geht, steht in meinem Artikel über AEO und GEO.
» Was das für dich heißt
Behandle ChatGPT wie eine sehr schnelle, sehr belesene Praktikantin, die dein Business nicht kennt: hervorragend für Entwürfe, Struktur und Zusammenfassungen, unbrauchbar für alles, was ungeprüft nach außen geht. Wenn du es so einsetzt, sparst du jede Woche Stunden. Wie ich dieselben Werkzeuge beim Websitebau nutze, liest du unter KI im Webdesign.
Häufige Fragen
Wofür lohnt sich ChatGPT im Solo-Business am meisten?
Für erste Entwürfe, Ideensammlungen, Zusammenfassungen langer Texte und das Durchdenken von Abläufen. Überall dort, wo der leere Bildschirm das eigentliche Hindernis ist, spart es am meisten Zeit.
Warum klingen meine ChatGPT-Texte so austauschbar?
Weil die Anweisung zu allgemein ist. Nenne die Zielgruppe, die konkrete Situation, den gewünschten Ton, das Ziel des Textes und ausdrücklich, was nicht vorkommen soll. Ein eigener Beispieltext als Vorlage hilft zusätzlich.
Kann ich ChatGPT meine Website-Texte schreiben lassen?
Als Entwurf ja, als Endfassung nein. Was ungeprüft veröffentlicht wird, klingt beliebig und enthält im schlimmsten Fall erfundene Angaben. Der Wert liegt im schnellen ersten Entwurf, den du zu deinem Text machst.
Erfindet ChatGPT wirklich Fakten?
Ja, und zwar überzeugend formuliert. Zahlen, Studien, Zitate und Rechtsangaben musst du grundsätzlich prüfen. Für Recherche ist es ein Startpunkt, keine Quelle.