» Die Ausgangslage 2026: Die Frage hat sich verschoben
Noch vor zwei Jahren war die Entscheidung einfach: Entweder du konntest Websites bauen oder du hast jemanden bezahlt. Heute tippst du drei Sätze in ein KI-Tool und bekommst eine vollständige Seite – mit Layout, Texten, Kontaktformular. Kostenlos oder für ein paar Euro im Monat.
Das verändert die Frage. Sie lautet nicht mehr „mit oder ohne KI“ – KI steckt in beiden Wegen drin. Auch ich baue mit KI, und jede Webdesignerin, die etwas anderes behauptet, arbeitet entweder langsamer oder sagt nicht die Wahrheit. Die neue Frage lautet: Wer bedient das Werkzeug? Du, mit Lernkurve und Feierabendstunden. Oder jemand, der es täglich tut.
Beide Antworten sind legitim. Sie hängen nicht davon ab, wie schlau du bist, sondern davon, was gerade knapp ist: Geld oder Zeit.
» Was du realistisch selbst schaffst – und was es kostet
Fangen wir mit dem an, was gut funktioniert. Wenn du dich hinsetzt und ein bis zwei Abende investierst, hast du eine Website, die online ist, auf dem Handy funktioniert und deine Kontaktdaten zeigt. Das ist eine echte Leistung und für viele Situationen völlig ausreichend.
Nur: Der Entwurf ist nicht die Arbeit. Die Arbeit kommt danach. Hier die ehrliche Rechnung aus dem, was ich bei Kundinnen sehe, die es zuerst selbst versucht haben:
Einarbeitung ins Tool: 3–5 Stunden. Verstehen, was das Tool kann, was es nicht kann, wo die Einstellungen liegen, wie du Änderungen sicherst, ohne das Vorherige zu zerschießen.
Prompten, bis es passt: 5–10 Stunden. Der erste Entwurf kommt in Minuten. Der fünfzehnte auch. Zeit frisst das Aussortieren: „schöner“, „aber nicht so“, „zurück zur Version von gestern“. Ohne klares Bild im Kopf prompst du im Kreis.
Texte entscheiden: 8–15 Stunden. Der größte und meist unterschätzte Block. KI liefert dir sofort Text. Ob dieser Text das Richtige sagt, kann sie nicht wissen – das weißt nur du. Was ist dein Angebot in einem Satz? Für wen genau? Was kostet es? Diese Entscheidungen nimmt dir kein Prompt ab.
Technik und Recht: 4–8 Stunden. Domain kaufen, auf den Hoster zeigen lassen, SSL prüfen, Kontaktformular testen, Impressum und Datenschutzerklärung korrekt aufsetzen. Achte darauf, dass keine externen Schriften oder Skripte nachgeladen werden – das ist einer der häufigsten Abmahngründe und in KI-Vorlagen fast immer drin.
Summe: grob 20 bis 40 Stunden, verteilt über vier bis acht Wochen, weil du nebenbei dein Business führst. In Euro zahlst du fast nichts: 5 bis 15 Euro Hosting, vielleicht 20 Euro KI-Abo. In Zeit zahlst du viel. Bei 80 Euro Stundensatz und 30 Stunden sind das 2.400 Euro nicht fakturierbare Arbeitszeit – plus alles, was in diesen Wochen liegen bleibt.
» Wo Laien mit KI zuverlässig scheitern
Es sind fünf Punkte, und keiner davon ist technisch. Am Werkzeug scheitert heute niemand mehr.
Positionierung. KI schreibt, was du ihr sagst. Sagst du „ich mache Coaching für Frauen“, bekommst du eine Seite für alle und damit für niemanden. Die Schärfung – wem hilfst du wobei, und warum ausgerechnet du – ist Denkarbeit, die vor dem ersten Prompt passiert. Sie ist der Unterschied zwischen Vergleichbarkeit und Anfragen.
Struktur der Seite. KI legt gern los: Slider, Team-Sektion, Blog, Newsletter, Referenzen-Karussell. Was fehlt, ist die Entscheidung, was weg kann. Eine Seite, die zu viel will, verwirrt. Für die meisten Einzelbusinesses reichen vier bis fünf Seiten – warum, habe ich in wie viel Website ein Einzelbusiness wirklich braucht aufgeschrieben.
Conversion-Texte. KI-Texte klingen rund und sagen nichts. „Ganzheitliche Lösungen für Ihren Erfolg.“ Grammatikalisch einwandfrei, geschäftlich wertlos. Ein Text, der verkauft, benennt das Problem der Leserin in ihren Worten und macht eine konkrete Zusage. Das erkennst du erst, wenn du hundert solcher Texte gesehen hast.
SEO-Grundlagen. Ein Title-Tag pro Seite, eine Meta-Description, eine H1, sprechende Dateinamen, eine Sitemap, strukturierte Daten. Nichts davon ist schwer. Aber KI liefert es nur, wenn du danach fragst – und du fragst nur danach, wenn du weißt, dass es existiert. Genau hier entscheidet sich, ob Google und KI-Suchen dich überhaupt finden.
Fertig werden. Der unterschätzteste Punkt. Selbstgebaute Websites sterben selten am Können. Sie sterben an Woche sechs, wenn ein Kundenprojekt reinkommt und die halbfertige Seite in einem Browser-Tab verstaubt. Bei mir melden sich regelmäßig Leute mit einem Entwurf, der seit acht Monaten zu 80 Prozent fertig ist.
» Der ehrliche Selbsttest: sechs Fragen
Beantworte die Fragen zügig und notiere je ein A oder B. Kein Nachdenken über die „richtige“ Antwort – es gibt keine.
1. Budget. Tut ein vierstelliger Betrag für die Website gerade weh? (A) Oder ist er eingeplant wie jede andere Betriebsausgabe? (B)
2. Zeit. Hast du in den nächsten sechs Wochen 25 bis 30 freie Stunden, die niemand anders will? (A) Oder ist dein Kalender voll und jede Stunde bereits vergeben? (B)
3. Technische Lust. Findest du es reizvoll, ein neues Tool auseinanderzunehmen? (A) Oder ist „DNS-Eintrag“ ein Wort, bei dem du innerlich abschaltest? (B)
4. Einsatz. Ist die Website ein netter Beleg, dass es dich gibt? (A) Oder soll sie messbar Anfragen bringen und Umsatz tragen? (B)
5. Termin. Kann sie fertig sein, wann sie fertig wird? (A) Oder gibt es ein Datum – Messe, Launch, Kooperation –, an dem sie stehen muss? (B)
6. Vorgeschichte. Ziehst du angefangene Projekte normalerweise durch? (A) Oder liegen bei dir mehrere Vorhaben auf halber Strecke? (B)
Überwiegend A: Bau sie selbst. Überwiegend B: Gib sie ab – du zahlst sonst mit einer Währung, die knapper ist als Geld. Drei zu drei: Entscheidend sind Frage 4 und 5. Wenn Umsatz und ein Termin daran hängen, gewinnt Abgeben.
» Für wen Selbermachen wirklich die richtige Wahl ist
Ich meine das ohne jede Herablassung: Für manche ist Selbermachen die klar bessere Entscheidung.
Wenn du gerade gründest und noch nicht weißt, ob dein Angebot in dieser Form Bestand hat, wäre eine teure Website Kapital an der falschen Stelle. Bau sie selbst, geh online, lerne aus den ersten Gesprächen. In sechs Monaten weißt du sehr viel genauer, was draufstehen muss.
Wenn das Budget schlicht nicht da ist, ist eine selbstgebaute Website unendlich viel besser als gar keine. Ein Instagram-Profil ersetzt keine eigene Adresse im Netz.
Und wenn du Freude daran hast: Nur zu. Wer versteht, wie die eigene Seite funktioniert, kann sie jederzeit selbst anpassen – das ist ein echter Vorteil. Nimm dir dann aber die Zeit für die Nachbearbeitung. Wie du KI-Output so überarbeitest, dass er nicht nach Durchschnitt klingt, habe ich in was beim Website-Erstellen mit KI wirklich funktioniert Schritt für Schritt beschrieben.
» Für wen Abgeben die richtige Wahl ist
Wenn dein Business etabliert ist, dreht sich die Rechnung um. Du verkaufst deine Zeit für einen Stundensatz. Jede Stunde, die du in Prompts steckst, ist eine Stunde, die du nicht in Kundinnen steckst. Ab einem gewissen Punkt ist das Honorar schlicht billiger als deine eigene Zeit.
Wenn am Ergebnis Umsatz hängt, ändert sich der Maßstab. Eine Seite, die „auch okay“ ist, kostet dich nicht null – sie kostet dich die Anfragen, die nicht kommen. Der Unterschied zwischen einer durchschnittlichen und einer überzeugenden Seite sind ein paar Prozent Conversion, und die rechnen sich über zwei Jahre in eine Größenordnung, gegen die jedes Honorar klein aussieht.
Wenn es einen Termin gibt, kaufst du vor allem Verbindlichkeit. Ein fixes Enddatum, an dem jemand anderes liefern muss, ist etwas fundamental anderes als ein Vorsatz für den nächsten freien Sonntag.
Und wenn dir Technik ehrlich keinen Spaß macht: Das ist kein Mangel. Du hast dein Handwerk gelernt, nicht meins. Wie ein fertiges Paket mit Festpreis und Ablauf aussieht, siehst du auf meiner Angebotsseite.
» Was ein Profi 2026 anders macht
Die unbequeme Wahrheit zuerst: Ich benutze dieselben Werkzeuge wie du. Es gibt kein Geheim-Tool. Der Unterschied liegt woanders.
Routine. Ich habe hunderte Seiten gebaut und weiß, welche Struktur bei welcher Zielgruppe funktioniert, bevor ich den ersten Prompt schreibe. Was dich zehn Anläufe kostet, ist bei mir der erste – nicht weil ich klüger bin, sondern weil ich diesen Weg schon gegangen bin.
Urteil. Ich erkenne schlechten Output in Sekunden. Zu generisch. Bricht auf dem Handy. Lädt eine externe Schrift nach. KI produziert selbstbewusst auch dann, wenn sie danebenliegt – wer den Fehler nicht sieht, stellt ihn online.
Qualitätskontrolle. Jede Seite wird auf echten Geräten getestet, Ladezeit gemessen, jeder Link geklickt, jedes Formular abgeschickt. Das ist unglamourös und macht den Unterschied zwischen „sieht gut aus“ und „funktioniert“.
Verantwortung. Der eigentliche Punkt. Wenn du selbst baust, bist du bei jedem Problem allein. Wenn ich baue, ist das Ergebnis mein Problem – auch nach dem Livegang. Genau das kaufst du: nicht Klicks, sondern jemanden, der geradesteht.
» Was das für deine Entscheidung heißt
Es gibt keinen richtigen Weg, nur einen richtigen für deine Lage. Ist Geld knapper als Zeit, bau selbst – mit realistischer Erwartung an den Aufwand und einem Termin, den du dir selbst setzt. Ist Zeit knapper als Geld und hängt Umsatz am Ergebnis, gib es ab. Was du auf keinen Fall tun solltest: monatelang zwischen beidem stehen bleiben. Eine mittelmäßige Website, die online ist, schlägt jede perfekte, die im Entwurf feststeckt.
Häufige Fragen
Kann ich als Laie eine Website mit KI erstellen?
Ja. Eine funktionierende Website entsteht heute per Prompt in Minuten, technische Vorkenntnisse brauchst du dafür nicht. Der Aufwand steckt nicht im ersten Entwurf, sondern in allem danach: Texte schärfen, Struktur festlegen, Domain und Hosting einrichten, Impressum und Datenschutz korrekt aufsetzen, mobil testen. Plane dafür realistisch 20 bis 40 Stunden ein, verteilt über mehrere Wochen.
Was kostet es, eine Website mit KI selbst zu erstellen?
In Euro wenig: Domain und Hosting liegen bei rund 5 bis 15 Euro im Monat, ein KI-Abo bei 20 bis 25 Euro. Der eigentliche Preis ist deine Zeit. Wenn du 30 Stunden brauchst und dein Stundensatz bei 80 Euro liegt, hat dich deine „kostenlose“ Website 2.400 Euro an nicht fakturierbarer Arbeitszeit gekostet – plus die Aufträge, die in dieser Zeit liegen bleiben.
Wann sollte ich meine Website lieber erstellen lassen?
Wenn dein Business läuft und deine Zeit teurer ist als das Honorar. Wenn am Ergebnis Umsatz hängt und die Seite verkaufen muss, nicht nur existieren. Wenn es einen festen Termin gibt, zu dem sie live sein soll. Und wenn du weißt, dass angefangene Technikprojekte bei dir gern liegen bleiben – dann ist ein verbindliches Enddatum mehr wert als jede gesparte Rechnung.
Nutzen Profis nicht auch nur KI? Wofür zahle ich dann?
Profis nutzen dieselben Werkzeuge – das ist kein Geheimnis, sondern der Grund für das Tempo. Der Unterschied liegt nicht im Werkzeug, sondern in Routine, Urteil und Verantwortung: zu wissen, welche Struktur Anfragen bringt, schlechten Output sofort als solchen zu erkennen und für das Ergebnis geradezustehen. Du zahlst nicht für Klicks, sondern für Entscheidungen und ein fertiges Ergebnis zum Termin.