» Warum die Struktur vor dem Design kommt
Struktur ist die Antwort auf drei Fragen: Welche Seiten gibt es? Wie kommt man von einer zur nächsten? Und welche ist die wichtigste?
Wer das nicht vorher klärt, merkt es später an zwei Stellen. Erstens beim Bauen: Jede Design-Entscheidung wird zur Grundsatzdiskussion, weil unklar ist, was auf die Seite gehört. Zweitens danach: Besucherinnen landen auf der Startseite, finden das Angebot nicht und gehen wieder.
Das Gute daran – die Struktur festzulegen kostet dich keine Technik und kein Werkzeug. Ein Blatt Papier reicht. Und wenn sie steht, schreibt sich der Rest fast von selbst.
» Die fünf Seiten, die fast jeder braucht
Für ein Einzelbusiness reichen in aller Regel fünf Seiten. Nicht als Sparversion, sondern weil mehr Seiten die Aufmerksamkeit verteilen, ohne mehr zu erklären.
1. Die Startseite. Sie beantwortet in drei Sekunden, was du für wen machst, und schickt Besucherinnen weiter. Sie ist ein Verteiler, kein Sammelbecken. Alles, was hier steht, hat genau eine Aufgabe: den nächsten Klick auslösen.
2. Das Angebot. Die Seite, auf der entschieden wird. Was bekommst du, was kostet es, wie läuft es ab. Wenn du nur eine Seite gut machen kannst, mach diese.
3. Über mich. Keine Autobiografie, sondern der Vertrauensbeweis. Wer bist du, warum kannst du das, warum solltest ausgerechnet du das machen. Menschen kaufen bei Selbstständigen die Person mit.
4. Kontakt. Formular, Terminbuchung oder beides. Klar erreichbar von jeder Seite aus.
5. Impressum und Datenschutzerklärung. Pflicht, kein Zierrat. Sie gehören in den Fußbereich und müssen von jeder Seite aus erreichbar sein.
Wie weit du darunter noch kürzen kannst, habe ich in wie viel Website ein Einzelbusiness wirklich braucht ausführlich aufgeschrieben. Dieser Artikel hier geht die andere Richtung: nicht wie wenig, sondern wie geordnet.
» Was erst später dazukommt
Diese Seiten sind sinnvoll – aber erst, wenn sie eine Aufgabe haben, die keine der fünf oben erfüllt:
- Eigene Seite je Leistung. Sinnvoll, sobald du zwei oder drei klar getrennte Angebote hast, nach denen unterschiedlich gesucht wird. Eine Seite pro Suchbegriff schlägt eine Seite mit allem drauf.
- Referenzen. Erst, wenn du echte Stimmen mit vollem Namen hast. Drei gute schlagen zehn anonyme.
- Blog. Der stärkste Hebel für Auffindbarkeit – aber nur, wenn du wirklich regelmäßig schreibst. Drei Artikel aus dem letzten Jahr schaden mehr, als sie nützen.
- FAQ. Sinnvoll, wenn dieselben Fragen ständig im Erstgespräch kommen. Als eigene Seite oder als Block auf der Angebotsseite.
- Landingpages. Für einzelne Aktionen, Kurse oder Events – bewusst ohne Navigation, mit genau einem Ziel.
» Flach bauen, nicht tief
Die wichtigste Regel für die Anordnung: Jede Seite ist in höchstens zwei Klicks von der Startseite aus erreichbar.
Das klingt banal, wird aber ständig verletzt. Typisch ist der Aufbau „Startseite → Leistungen → Beratung → Beratung für Selbstständige → Erstberatung“. Vier Klicks tief. Diese Seite findet niemand, und Google behandelt sie als Nebensache – denn wie weit eine Seite von der Startseite entfernt ist, ist ein Signal dafür, wie wichtig sie ist.
Für ein Einzelbusiness ist eine flache Struktur fast immer richtig: Startseite oben, alle anderen Seiten direkt darunter. Keine Unterebenen, keine Menüs im Menü. Erst ab etwa fünfzehn Seiten lohnt es sich, überhaupt über Ebenen nachzudenken.
» Die Navigation: vier bis sechs Punkte
Ins Hauptmenü gehören vier bis sechs Punkte. Jeder weitere verteilt die Aufmerksamkeit und macht die Entscheidung schwerer – das gilt für Menschen wie für Suchmaschinen.
Drei Regeln, die dabei helfen:
- Benenne, was dahinterliegt. „Angebot“ ist gut. „Leistungen“ ist okay. „Portfolio“ ist schon unklar. „Was wir tun“ ist eine Überschrift, kein Menüpunkt.
- Rechtstexte in den Fuß. Impressum und Datenschutz müssen erreichbar sein, aber sie sind kein Menüpunkt. Sie gehören nach unten, zusammen mit den AGB, falls du welche hast.
- Ein sichtbarer nächster Schritt. Ein Knopf im Menü, der zur wichtigsten Handlung führt – Kontakt oder Terminbuchung. Er sieht anders aus als die übrigen Punkte, weil er etwas anderes ist.
Und die unbequeme Beobachtung: Wenn du mehr als sechs Menüpunkte brauchst, liegt das selten an der Website. Meistens ist das Angebot noch nicht scharf genug.
» Interne Verlinkung – der unterschätzte Teil
Interne Verlinkung heißt: Deine Seiten verweisen aufeinander, und zwar im Fließtext, nicht nur über das Menü. Das ist der Teil der Struktur, den fast alle auslassen – und der am meisten bringt.
Für deine Besucherinnen ist ein Link im Text ein Angebot: Hier geht es weiter, wenn dich das interessiert. Wer im Text auf deiner Über-mich-Seite liest „wie ich arbeite, steht im Angebot“, klickt eher als jemand, der oben im Menü suchen muss.
Für Suchmaschinen ist es ein Signal. Eine Seite, auf die viele deiner anderen Seiten verweisen, wirkt wichtig. Eine Seite, auf die nichts verlinkt, wirkt wie eine Nebensache – egal, wie gut sie ist.
Drei Handgriffe, die reichen:
- Jede Seite verlinkt mindestens einmal auf die Angebotsseite, im Text und mit einem Ankertext, der sagt, was kommt. Nicht „hier klicken“, sondern „mein Angebot im Detail“.
- Blogartikel verlinken untereinander. Wer über ein Thema schreibt, verweist auf den älteren Artikel, der ein Detail vertieft.
- Der Fuß verlinkt alles Wichtige. Er ist auf jeder Seite und damit die zuverlässigste Verbindung, die du hast.
» Die Reihenfolge auf der Startseite
Struktur betrifft nicht nur, welche Seiten es gibt, sondern auch die Reihenfolge innerhalb der wichtigsten. Für die Startseite hat sich diese bewährt:
- Was du für wen machst, in einem Satz
- Das Problem, in dem sich deine Kundin wiedererkennt
- Was du konkret anbietest, mit einem Link zum Angebot
- Wer du bist – kurz, mit Link zur Über-mich-Seite
- Beweise: Kundenstimmen, Projekte, Zahlen
- Die Handlungsaufforderung, sichtbar und eindeutig
Was auf der Startseite ganz oben stehen muss, damit es überhaupt gesehen wird, steht in meinem Artikel über den sichtbaren Bereich über der Falz.
» Wie du deine Struktur in dreißig Minuten festlegst
Nimm ein leeres Blatt. Schreib oben „Startseite“. Darunter, in einer Reihe, jede Seite, die es geben soll. Für jede Seite beantwortest du drei Fragen:
- Welche Frage beantwortet diese Seite?
- Wonach würde jemand suchen, der hier landen soll?
- Wohin soll er von hier aus weitergehen?
Wenn dir bei einer Seite keine Frage einfällt, brauchst du sie nicht. Wenn zwei Seiten dieselbe Frage beantworten, mach eine daraus. Und wenn die dritte Frage unbeantwortet bleibt, ist es eine Sackgasse – dann fehlt ein interner Link.
Dieses Blatt ist wertvoller als jeder Design-Entwurf. Es ist der Teil, den dir kein Werkzeug abnimmt, und der Teil, der darüber entscheidet, ob deine Seite Anfragen bringt. Wenn du es lieber gleich fertig hättest: so arbeite ich.
Häufige Fragen
Welche Seiten braucht eine Website mindestens?
Fünf reichen für die meisten Selbstständigen: Startseite, Angebot, Über mich, Kontakt und die Rechtstexte aus Impressum und Datenschutzerklärung. Alles Weitere kommt erst dazu, wenn es eine Aufgabe hat, die keine dieser fünf Seiten erfüllt – etwa ein Blog, Referenzen oder eine eigene Seite je Leistung.
Wie tief sollte eine Website-Struktur sein?
Jede Seite sollte von der Startseite aus in höchstens zwei Klicks erreichbar sein. Was tiefer liegt, wird von Besucherinnen kaum gefunden und von Suchmaschinen als unwichtig eingestuft. Für ein Einzelbusiness ist eine flache Struktur ohne Unterebenen fast immer die richtige.
Wie viele Menüpunkte sollte die Navigation haben?
Vier bis sechs. Jeder weitere Punkt verteilt die Aufmerksamkeit auf mehr Ziele und macht die Entscheidung schwerer. Rechtstexte gehören in den Fußbereich, nicht ins Hauptmenü. Wenn du mehr als sechs Punkte brauchst, ist meist das Angebot noch nicht scharf genug.
Was ist interne Verlinkung und warum ist sie wichtig?
Interne Verlinkung heißt, dass deine Seiten aufeinander verweisen – im Fließtext, nicht nur über das Menü. Sie führt Besucherinnen zum nächsten sinnvollen Schritt und zeigt Suchmaschinen, welche deiner Seiten die wichtigsten sind. Eine Seite, auf die nichts verlinkt, wirkt für Google wie eine Nebensache.