» Was SEO für dich heißt — und was nicht
SEO bedeutet für ein Einzelunternehmen etwas anderes als für einen Konzern. Du wirst nicht bei „Webdesign“ auf Platz eins stehen. Das musst du auch nicht. Du brauchst eine Handvoll Suchanfragen, bei denen genau die Menschen landen, die dich beauftragen könnten — und davon reichen fünf oder sechs im Monat, wenn sie die richtigen sind.
Bei einem Angebot ab 3.000 Euro ist eine einzige Anfrage im Monat bereits ein gutes Geschäft. Das ändert den Maßstab vollständig. Du brauchst keine Reichweite, du brauchst Treffer.
Und noch etwas ändert sich gerade: Immer mehr Menschen fragen nicht mehr Google, sondern ChatGPT oder Perplexity. Das ist kein getrenntes Thema — was für Google zählt, zählt dort auch. Nur strenger.
» Der Fehler, den fast alle machen
Wer anfängt, sucht nach Suchvolumen. Ein Werkzeug sagt „5.400 Suchen im Monat“, das klingt großartig, und der Artikel wird geschrieben. Danach passiert monatelang nichts, und die Erklärung lautet dann, SEO funktioniere eben nicht mehr.
Suchvolumen sagt dir, wie viele Menschen suchen. Es sagt dir nicht, ob du eine Chance hast. Das ist der ganze Unterschied.
Ein Beispiel aus meiner eigenen Recherche: „Impressum Pflichtangaben“ wird rund 1.000-mal im Monat gesucht. Sehr verlockend. Auf die vorderen Plätze verweisen im Schnitt 212 fremde Websites — Anwaltskanzleien, Verbände, Fachportale, teils seit fünfzehn Jahren. Ich könnte den besten Text der Welt schreiben und würde dort nicht auftauchen.
» Die eine Zahl, nach der ich Themen auswähle
Statt aufs Suchvolumen schaue ich auf die verweisenden Domains der vorderen Ergebnisse: Wie viele fremde Websites verlinken auf die Seiten, gegen die ich antreten müsste? Diese Zahl ist der beste Näherungswert dafür, wie fest ein Platz besetzt ist.
Dann vergleiche ich sie mit meiner eigenen. Meine Seite hat 41 verweisende Domains — nicht viel, sie ist noch jung. Daraus wird eine Faustregel, die ich seit Monaten benutze:
- unter 15 verweisenden Domains: erreichbar, ziemlich sicher
- 15 bis 41: erreichbar, wenn der Text wirklich gut ist
- über 60: nicht erreichbar, egal wie gut
Diese Zahl bekommst du aus jedem SEO-Werkzeug mit Gratiszugang, und sie ist wichtiger als alles andere im Werkzeugkasten. Deine eigene Zahl steht dort auch — such sie einmal, dann hast du deinen persönlichen Maßstab.
Der Nebeneffekt ist der eigentliche Gewinn: Du hörst auf, gegen Windmühlen zu schreiben. Von zehn Themenideen bleiben bei mir typischerweise drei übrig, und die haben dann eine echte Chance.
» Ein verworfenes und ein genommenes Thema
Damit das nicht theoretisch bleibt, hier zwei Entscheidungen aus meinem eigenen Redaktionsplan — beide aus derselben Woche.
Verworfen: „verkaufsstarke Website“. Der Begriff klingt gut und steht auf jeder zweiten Agenturseite. In der Datenbank hat er praktisch kein messbares Suchvolumen; die dreißig Aufrufe, die meine Search Console dazu zeigte, waren über ein halbes Jahr verteilt. Niemand sucht so. Das ist ein Branchenwort, kein Kundenwort.
Genommen: „was ist eine statische Website“. Weniger Suchen, dafür eine echte Frage von Menschen, die gerade überlegen, wie sie ihre Seite bauen lassen. Die Konkurrenz dort besteht aus Entwicklerblogs mit wenigen Verweisen. Der Artikel steht seit dem 31. August online.
Das Muster dahinter ist verlässlich: Branchenwörter wie „verkaufsstark“, „performant“ oder „konvertierend“ sucht niemand. Gesucht werden Fragen und Probleme — was kostet das, wie lange dauert das, welche Seiten brauche ich, warum kommt niemand. Wenn du unsicher bist, ob ein Begriff ein Kundenwort ist: Hast du ihn je in einem Erstgespräch gehört?
» Die drei Seiten, die zuerst zählen
Bevor du an Artikel denkst, müssen drei Seiten sitzen. In dieser Reihenfolge.
Die Startseite muss in einem Satz sagen, was du tust und für wen. Nicht was dich auszeichnet, nicht deine Werte — was du tust. Das klingt banal, ist aber die Stelle, an der die meisten Seiten scheitern.
Die Angebotsseite beantwortet, was es kostet und wie es abläuft. Wer das versteckt, verliert genau die Interessentinnen, die eigentlich kaufen wollten. Mehr dazu steht in der wichtigsten Seite deiner Website.
Eine Seite pro echter Frage. Nicht pro Keyword — pro Frage, die dir Menschen wirklich stellen. „Was kostet das?“, „Wie lange dauert das?“, „Kann ich das nicht selbst?“ Jede dieser Fragen ist eine Suchanfrage, und jede Antwort ist eine Seite.
» Was KI-Suchen zusätzlich brauchen
Wenn ChatGPT gefragt wird, wer im Raum Osnabrück Websites für Selbstständige baut, sucht es vorher im Netz und liest, was es findet. Es zitiert dann Sätze, die es zitieren kann.
Daraus folgt etwas sehr Praktisches: Deine Antwort muss in ganzen Sätzen dastehen. Nicht in einer Aufzählung aus Stichwörtern, nicht in einem PDF, nicht als Andeutung zwischen zwei Adjektiven. Ein zitierbarer Satz sieht so aus: „Eine statische Website ist ein Satz fertiger Dateien, den der Server unverändert ausliefert.“
Dazu kommen zwei Kleinigkeiten mit großer Wirkung: ein Datum und eine erkennbare Autorin. Undatierte, anonyme Texte werden in KI-Antworten seltener herangezogen. Das ist kein Trick, sondern naheliegend — wer etwas weitergibt, will wissen, von wem und von wann es stammt.
Und ein Punkt, den ich an meiner eigenen Seite schmerzhaft gelernt habe: Schreib hin, was du bist, nicht nur, was du nicht bist. Meine Startseite war voll von „ohne Baukasten“ und „statt WordPress“. Für Menschen verständlich. Eine Maschine, die nach „statische Website“ sucht, fand dort nichts — das Wort kam kein einziges Mal vor.
» Was du getrost ignorieren kannst
Es gibt eine ganze Industrie, die dir Dinge verkauft, die für ein Einzelunternehmen keine Rolle spielen.
Keyword-Dichte ist seit über zehn Jahren kein Kriterium. Meta-Keywords wertet Google seit 2009 nicht mehr aus. Backlink-Pakete aus Verzeichnissen schaden eher, als dass sie helfen. Und ein SEO-Punktestand von 100 in irgendeinem Plugin sagt nichts darüber, ob dich jemand findet.
Was tatsächlich zählt, ist unspektakulär: eine schnelle Seite, klare Struktur, ehrliche Antworten, und mit der Zeit ein paar fachnahe Links von Menschen, die dich kennen.
» Wie lange es dauert
Drei bis sechs Monate, bis sich etwas bewegt. Bei einer ganz neuen Domain eher länger. Das ist keine Bescheidenheit, das ist der normale Verlauf: Google muss die Seite finden, einordnen und über mehrere Aktualisierungen hinweg beobachten.
Meine eigene Seite war im Sommer drei Wochen offline, deshalb beginnt meine brauchbare Datenreihe erst im September. Ich weiß also aus eigener Erfahrung, wie sich diese Wartezeit anfühlt.
Was in dieser Zeit hilft: zwei Artikel im Monat, immer zu geprüften Themen. Nicht zwanzig auf einmal und dann ein Jahr Pause. Regelmäßigkeit schlägt Menge, und zwar deutlich.
» Was das für dich heißt
SEO für Selbstständige ist kein Fachgebiet, das du dir aneignen musst. Es sind drei Gewohnheiten: vor dem Schreiben die Konkurrenz prüfen, echte Fragen in ganzen Sätzen beantworten, dranbleiben, wenn drei Monate nichts passiert.
Wenn du diese Woche eine Sache tust, dann diese: Such die Zahl der verweisenden Domains deiner eigenen Seite. Danach weißt du zum ersten Mal, gegen wen du überhaupt antreten kannst — und hörst auf, Zeit an Themen zu verlieren, bei denen du chancenlos bist.
Und falls du feststellst, dass die Seite selbst das Problem ist und nicht die Themen: Genau dafür baue ich Websites — statisch, schnell, ohne WordPress, in sieben Tagen online.
» Häufige Fragen
Brauche ich als Einzelunternehmerin überhaupt SEO?
Es kommt darauf an, woher deine Kundinnen heute kommen. Wenn dich Empfehlungen tragen und du ausgelastet bist, ist SEO nachrangig. Wenn du planbar Anfragen brauchst, ist es der günstigste Kanal, den es gibt — er kostet Zeit statt Geld und wirkt weiter, wenn du gerade nichts tust. Rechne mit drei bis sechs Monaten bis zu den ersten Ergebnissen.
Wie finde ich heraus, ob ich bei einem Thema eine Chance habe?
Schau dir an, wie viele fremde Websites auf die ersten zehn Google-Ergebnisse verweisen, und vergleiche das mit deiner eigenen Seite. Liegt die Konkurrenz deutlich darüber, kommst du dort nicht hin, egal wie gut dein Text ist. Meine eigene Seite hat 41 verweisende Domains; alles unter 15 halte ich für sicher erreichbar, alles über 60 für aussichtslos.
Was kostet SEO, wenn ich es selbst mache?
An Geld fast nichts. Ein Werkzeug mit Gratiszugang für die Konkurrenzprüfung reicht zu Beginn, die Google Search Console ist kostenlos. Was es kostet, ist Zeit: Rechne mit zwei bis vier Stunden je Artikel und zwei Artikeln im Monat. Eine Agentur nimmt für dieselbe Arbeit meist vierstellig im Monat.
Zählt für ChatGPT und Perplexity dasselbe wie für Google?
Weitgehend ja, nur strenger. KI-Systeme suchen vor der Antwort im Netz und zitieren, was zitierbar ist. Sie brauchen deshalb vollständige Sätze statt Stichwortlisten, ein Datum und eine erkennbare Autorin. Wer für Menschen klar schreibt, erfüllt das meist automatisch.