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SEO-Texte schreiben: Was heute noch funktioniert

Such mal nach „SEO-Texte schreiben“. Du findest neun Anleitungen, die alle dasselbe sagen: Keyword-Recherche, Struktur, Mehrwert. Und darüber steht eine KI-Antwort, die dir die Frage schon beantwortet hat – weshalb du auf keine der neun geklickt hast. Genau darin liegt die eigentliche Nachricht.

» Was sich tatsächlich geändert hat

Früher war die Rechnung einfach: Du schreibst einen Text, Google zeigt zehn Ergebnisse, du willst unter den ersten drei sein. Der Wettbewerb fand zwischen blauen Links statt.

Heute steht über diesen Links häufig schon eine fertige Antwort – zusammengesetzt aus mehreren Quellen. Dazu kommen ChatGPT und Perplexity, wo gar keine Ergebnisliste mehr auftaucht, sondern nur noch ein Text mit ein paar Fußnoten.

Damit hat sich das Ziel verschoben. Es reicht nicht mehr, gefunden zu werden. Du musst zitiert werden.

Das ist keine Kleinigkeit, sondern eine andere Aufgabe. Ein Text, der auf Platz 1 steht, aber so gebaut ist, dass niemand einen klaren Satz daraus entnehmen kann, verliert gegen einen Text auf Platz 6, der eine saubere Antwort liefert. Wie das im Detail funktioniert, habe ich in meinem Artikel über AEO und GEO beschrieben.

» Die Regeln, die du getrost vergessen kannst

Fangen wir mit dem an, was du nicht mehr tun musst. Diese vier Ratschläge stehen bis heute in fast jeder Anleitung – und schaden inzwischen mehr, als sie nützen.

1. Keyword-Dichte. Die Vorstellung, ein Begriff müsse „zwei bis drei Prozent“ des Textes ausmachen, stammt aus den frühen Zweitausendern. Suchmaschinen erkennen heute Bedeutung, nicht Wortzahlen. Wer sein Keyword absichtlich unterbringt, schreibt schlechtere Sätze – und schlechtere Sätze werden seltener zitiert.

2. Die 300-Wörter-Regel. Es gibt keine Mindestlänge. Es gibt nur die Frage, ob die Antwort vollständig ist. Ein Text, der auf 300 Wörter gestreckt wurde, verdünnt die Antwort, die er eigentlich geben wollte.

3. Keyword-Variationen einstreuen. „Website erstellen lassen“, „Webseite erstellen lassen“, „Homepage machen lassen“ – wer alle Schreibweisen unterbringen will, produziert Texte, die niemand freiwillig zu Ende liest. Suchmaschinen ordnen Synonyme längst selbst zu.

4. Der „SEO-Text“ als eigene Gattung. Das ist der teuerste Denkfehler. Sobald jemand einen Text schreibt, der für Suchmaschinen gedacht ist statt für Menschen, entsteht dieser typische, gesichtslose Ton, den man nach zwei Sätzen erkennt. Und genau den überspringt sowohl der Mensch als auch das Sprachmodell.

» Fünf Dinge, die heute wirklich zählen

1. Eine Seite, eine Frage. Der häufigste Fehler bei Selbstständigen ist die Sammelseite: Leistungen, Preise, Ablauf, Über mich, alles auf einer Seite. So eine Seite beantwortet keine Frage vollständig und wird deshalb zu keiner Frage gefunden. Trenn die Themen – lieber fünf klare Seiten als eine, die alles halb macht.

2. Die Antwort gehört nach oben. Wir haben gelernt, spannend zu erzählen und die Auflösung ans Ende zu setzen. Beim Suchen ist das falsch herum. Wenn deine Überschrift „Was kostet eine Website?“ lautet, muss im ersten Absatz eine Zahl stehen. Nicht im siebten. Sprachmodelle nehmen die erste klare Aussage, die sie finden – und Menschen übrigens auch.

3. Schreib in Einheiten, die man herausnehmen kann. Stell dir vor, jemand kopiert einen einzelnen Absatz aus deinem Text und zeigt ihn jemand anderem. Ergibt er allein noch Sinn? Wenn er mit „Das bedeutet also, dass…“ beginnt, nicht. Absätze, die für sich stehen, werden zitiert. Absätze, die nur im Zusammenhang funktionieren, nicht.

4. Sei konkret, wo alle anderen allgemein sind. „Eine schnelle Website ist wichtig“ steht in tausend Texten. „Meine Seite lädt in unter einer Sekunde und hat 100 von 100 Punkten bei Google PageSpeed“ steht in einem. Zahlen, Zeiträume, Namen, Preise – das sind die Stellen, an denen ein Text greifbar wird. Und es sind exakt die Stellen, die zitiert werden.

5. Sag etwas, das nur du sagen kannst. Das ist der Punkt, an dem sich entscheidet, ob dein Text überhaupt eine Existenzberechtigung hat. Wenn dein Artikel dasselbe sagt wie die neun davor, warum sollte irgendjemand – Mensch oder Maschine – ausgerechnet dich nehmen? Deine Erfahrung mit einem konkreten Fall, ein Fehler, den du gemacht hast, eine Zahl aus deinem eigenen Geschäft: Das kann kein Modell erfinden.

» Der Praxistest, der drei Minuten dauert

Genug Theorie. So findest du heraus, wo du gerade stehst:

Wenn du nicht dabei bist – und das wirst du am Anfang meistens nicht sein – schau dir an, wer stattdessen genannt wird. Öffne deren Seite und such die Stelle, aus der die Antwort stammt. Fast immer ist es ein kurzer, eigenständiger Absatz mit einer klaren Aussage. Selten ein blumiger Einstieg.

Das ist die ehrlichste Rückmeldung, die du zu deinen Texten bekommen kannst. Und sie kostet nichts.

» Und was ist mit ChatGPT als Schreiber?

Das ist die Frage, die bei diesem Thema am häufigsten gestellt wird, also die ehrliche Antwort: Ja, KI kann beim Schreiben helfen. Nein, sie kann den Text nicht allein machen.

Wobei sie gut ist: Gliederungen entwerfen, Zwischenüberschriften finden, holprige Absätze glätten, einen zu langen Text kürzen, Rechtschreibung. Das sind Handgriffe, die Zeit fressen und wenig mit dir zu tun haben.

Wobei sie prinzipiell nicht helfen kann: dir sagen, was du erlebt hast. Ein Sprachmodell erzeugt den Durchschnitt dessen, was schon geschrieben wurde. Deshalb liest sich reiner KI-Text kompetent und trotzdem austauschbar – und deshalb bringt er auch keine Rankings. Er sagt ja nichts, was nicht schon irgendwo steht.

Die Aufteilung, die funktioniert: Du lieferst die Substanz, die KI hilft bei der Form. Was das für Blogartikel im Einzelnen heißt, steht in KI beim Bloggen: Wo sie hilft und wo sie deinem Ranking schadet.

» Warum die Technik mitentscheidet

Ein Punkt, den Text-Anleitungen meistens weglassen: Der beste Text nützt wenig, wenn die Seite ihn nicht sauber ausliefert.

Überschriften müssen echte Überschriften sein und nicht nur fett formatierter Text. Die Reihenfolge im Quelltext muss der Leserichtung entsprechen. Häufige Fragen gehören so ausgezeichnet, dass eine Maschine sie als Frage-Antwort-Paar erkennt. Und die Seite muss schnell genug sein, dass sie überhaupt vollständig eingelesen wird.

Das sind keine Textfragen, das sind Bauweise-Fragen. Bei Baukästen und schwergewichtigen Themes hat man darauf oft wenig Einfluss – der Aufbau im Quelltext entsteht dort automatisch und nicht immer sinnvoll. Genau deshalb baue ich Websites ohne Baukasten: damit die Struktur, die man auf dem Bildschirm sieht, auch die ist, die eine Maschine liest.

Wie du bestehende Artikel entsprechend überarbeitest, habe ich in Blogartikel optimieren Schritt für Schritt aufgeschrieben.

» Was das für deine Texte heißt

Streich die Regeln aus der ersten Liste. Sie kosten dich Zeit und machen deine Texte schlechter.

Nimm dir stattdessen eine einzige Seite vor – die wichtigste, meistens die Angebotsseite. Schreib darüber, welche eine Frage sie beantworten soll. Setz die Antwort in den ersten Absatz. Ersetz zwei allgemeine Aussagen durch konkrete Zahlen aus deinem Geschäft. Und dann mach den Drei-Minuten-Test.

Das ist mehr wert als zehn neue Artikel, die alle dasselbe sagen wie alle anderen. Sichtbarkeit entsteht 2026 nicht durch Menge, sondern dadurch, dass irgendwo ein Satz steht, den sonst niemand geschrieben hat.

Häufige Fragen

Wie lang muss ein SEO-Text sein?

Es gibt keine Mindestlänge. Die verbreitete 300-Wörter-Regel stammt aus einer Zeit, in der Suchmaschinen kaum verstanden, worum es in einem Text geht. Entscheidend ist, ob die Frage vollständig beantwortet wird. Für „Wann habt ihr geöffnet?“ reichen zwei Sätze, für „Was kostet eine Website?“ braucht es mehr. Text, der nur geschrieben wurde, um eine Wortzahl zu erreichen, schadet, weil er die Antwort verwässert.

Kann ChatGPT SEO-Texte schreiben?

Für Struktur, Gliederung, Zwischenüberschriften und das Umschreiben holpriger Absätze ist KI ein sehr gutes Werkzeug. Was sie nicht liefern kann, ist der Teil, der den Text zitierfähig macht: eigene Zahlen, eigene Fälle, eine Haltung. Ein Text, der komplett aus dem Modell kommt, ist der Durchschnitt aller vorhandenen Texte – und Durchschnitt wird weder geklickt noch zitiert. Die praktikable Aufteilung: Der Mensch liefert Substanz, die KI hilft bei Form und Tempo.

Wie oft muss das Keyword im Text vorkommen?

Es gibt keine sinnvolle Zielzahl. Keyword-Dichte als Kennzahl ist seit Jahren überholt, weil Suchmaschinen Bedeutung erkennen und nicht Wörter zählen. Praktisch reicht: Der Begriff sollte im Titel, in der Überschrift und in den ersten Sätzen natürlich vorkommen – dort, wo er ohnehin hingehört. Wenn du beim Schreiben merkst, dass du ihn hineinzwingst, ist es zu viel.

Was ist ein SEO-Text?

Streng genommen gibt es keine eigene Textsorte „SEO-Text“. Gemeint ist ein Text, der so geschrieben und aufgebaut ist, dass Suchmaschinen ihn einer konkreten Frage zuordnen können – und dass die Person, die darauf klickt, ihre Antwort auch wirklich findet. Sobald man versucht, für Suchmaschinen statt für Menschen zu schreiben, entsteht genau das, was man vermeiden wollte.