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Traffic weg nach dem Relaunch: Warum das normal ist

Die neue Website ist schneller, schöner und technisch besser als die alte. Und trotzdem: In der Search Console bewegt sich nichts. Keine Klicks, kaum Impressionen. Ich schreibe das hier mitten aus dieser Phase heraus – meine eigene Seite steckt gerade drin. Was dabei passiert, warum es passiert und wann es aufhört.

» Was gerade auf meiner eigenen Website passiert

Ich habe meine Seite komplett neu gebaut. Weg von WordPress, hin zu statischem HTML. Die Werte sind, ehrlich gesagt, richtig gut: 100 von 100 Punkten bei Google PageSpeed in allen vier Kategorien auf dem Desktop, 98 auf dem Handy. Ladezeit unter einer Sekunde. Barrierefreiheit vollständig. Strukturierte Daten für jede Seite.

Und die Zugriffszahlen? Flach. Wochenlang.

Das ist der Moment, in dem die meisten anfangen zu zweifeln – an der neuen Seite, an der Person, die sie gebaut hat, oder an sich selbst. Deshalb schreibe ich das hier auf, während es passiert, statt hinterher, wenn alles gut aussieht. Es gehört dazu.

Ein paar Zahlen aus meinem eigenen Fall, damit das nicht abstrakt bleibt:

Jeder einzelne dieser Punkte verlängert die Wartezeit. Zusammen ergeben sie genau das Bild, das ich gerade sehe.

» Warum der Einbruch überhaupt kommt

Google bewertet keine Websites. Google bewertet Adressen. Jede URL sammelt über die Zeit Signale: Wie oft wird sie geklickt, wie lange bleiben Leute, wer verlinkt darauf, wie oft ändert sie sich. Aus diesen Signalen entsteht eine Position in den Suchergebnissen.

Wenn du deine Website neu baust und dabei die Adressen änderst, passiert Folgendes: Die alten Adressen existieren nicht mehr, ihre Signale zeigen ins Leere. Die neuen Adressen existieren zwar, haben aber noch keine Signale. Google muss von vorn anfangen – herausfinden, worum es auf jeder Seite geht, sie mit den Ergebnissen anderer vergleichen und ihr eine Position zuweisen.

Das ist keine Strafe. Das ist eine Inventur. Und Inventuren dauern.

Wie lange sie dauern, hängt vor allem an einer Größe: wie oft Google bei dir vorbeischaut. Bei einer großen, viel verlinkten Website ist der Crawler quasi täglich da – Änderungen sind innerhalb von Tagen sichtbar. Bei einer kleinen Website mit wenigen eingehenden Links kommt er alle paar Wochen. Genau daher kommt der Eindruck, dass es bei anderen so schnell geht und bei dir nicht.

» Der realistische Zeitplan

Damit du weißt, woran du bist – so sieht der übliche Verlauf aus, wenn technisch alles richtig gemacht wurde:

Wichtig ist die Reihenfolge: Erst kommen die Impressionen, dann die Klicks. Wenn deine Impressionen steigen und die Klicks noch nicht, ist das kein schlechtes Zeichen – es heißt, dass du auftauchst, aber noch zu weit hinten stehst. Das ist der Punkt, an dem Titel und Beschreibungen wichtig werden.

» Die vier Fehler, die aus der Delle ein Loch machen

Ein Einbruch, der sich erholt, ist normal. Ein Einbruch, der bleibt, hat fast immer eine dieser vier Ursachen.

1. Fehlende 301-Weiterleitungen. Das ist der Klassiker und der teuerste Fehler. Jede alte Adresse muss auf ein inhaltlich passendes neues Ziel weiterleiten – dauerhaft, per Status 301. Fehlt die Weiterleitung, landen Besucher und Google auf einer Fehlerseite, und die gesamte Autorität dieser Seite ist weg. Inklusive aller Links, die von außen darauf zeigen.

2. Weiterleitung auf die Startseite statt auf den passenden Inhalt. Der bequeme Weg: alles auf die Startseite umleiten, fertig. Google erkennt das als „Soft 404“ und wertet die Weiterleitung ab. Wer nach deinem alten Artikel gesucht hat und auf der Startseite landet, geht sofort wieder – und das misst Google mit.

3. Die Testseite ist noch blockiert. Während des Baus steht in der robots.txt oft eine Sperre, damit die halbfertige Seite nicht in Google landet. Wenn die beim Livegang niemand entfernt, bleibt die fertige Website unsichtbar. Das kostet Monate und ist in fünf Minuten behoben.

4. Weniger Text als vorher. Neue Websites werden gern schlanker. Wenn dabei die Inhalte verschwinden, die überhaupt erst für Rankings gesorgt haben, kommt der Traffic nicht zurück – weil es nichts mehr gibt, wofür er zurückkommen könnte. Design ersetzt keinen Inhalt.

Wenn du unsicher bist, ob einer dieser Punkte auf dich zutrifft: In der Search Console unter „Seiten“ siehst du, wie viele deiner Adressen indexiert sind und warum die anderen es nicht sind. Das ist der ehrlichste Blick, den du bekommst.

» Was in der Wartezeit tatsächlich hilft

Die Versuchung ist groß, in dieser Phase weiter an der Technik zu schrauben. Meine Erfahrung – und die Daten geben ihr recht: Wenn die Technik einmal sauber ist, bringt die nächste Optimierung fast nichts mehr. Was zählt, sind zwei andere Dinge.

Links von anderen Websites. Das ist der Hebel, der die Crawl-Frequenz direkt beeinflusst. Nicht gekaufte Links – echte. Partnerinnen, mit denen du zusammenarbeitest. Podcasts, in denen du zu Gast warst. Verzeichnisse deiner Branche. Deine eigenen Profile bei LinkedIn, YouTube, Pinterest. Ein einziger Link von einer etablierten, thematisch passenden Website bringt mehr als jede weitere Millisekunde Ladezeit. Ich habe für meine eigene Seite gerade genau das gemacht: aufgeschrieben, wer mich sinnvollerweise verlinken könnte, und gefragt.

Regelmäßig etwas Neues veröffentlichen. Google crawlt Websites häufiger, auf denen sich etwas tut. Ein Artikel alle zwei Wochen ist mehr wert als zehn Artikel an einem Tag und danach ein halbes Jahr Stille. Nebenbei ist neuer Inhalt die einzige Möglichkeit, für zusätzliche Suchbegriffe zu ranken – die alten Seiten decken ab, was sie abdecken. Wie du dabei vorgehst, habe ich in SEO für Dienstleister ausführlich beschrieben.

Und ein dritter Punkt, der oft übersehen wird: Klassische Suchmaschinen sind nicht mehr der einzige Weg, gefunden zu werden. ChatGPT, Perplexity und Google selbst beantworten Fragen inzwischen direkt. Wer dort als Quelle auftaucht, bekommt Anfragen, ohne je auf Seite eins gestanden zu haben – und diese Systeme reagieren schneller auf neue Inhalte als der klassische Index. Was du dafür brauchst, steht in meinem Artikel über AEO und GEO.

» Warum du dich nicht mit anderen vergleichen solltest

Der Vergleich, der am meisten weh tut, ist der mit jemandem, den du kennst: „Die hat ihre Seite optimiert und nach einer Woche gingen die Zahlen hoch. Bei mir nichts.“

Der Unterschied liegt fast nie an der Qualität der Arbeit. Er liegt daran, was vorher da war. Wer eine bestehende, seit Jahren indexierte Website optimiert, verbessert Positionen, die schon existieren – von Platz 12 auf Platz 6, und die Klicks verfünffachen sich sofort. Das sieht man in sieben Tagen.

Wer neu baut, hat keine Position, die man verbessern könnte. Da entsteht sie erst. Das sind zwei völlig verschiedene Vorgänge, die sich in der Search Console leider gleich anfühlen: eine Kurve, die sich nicht bewegt.

Der ehrliche Trost dabei: Die Arbeit ist nicht umsonst. Eine technisch saubere, schnelle, gut strukturierte Website rankt am Ende besser als die alte. Sie braucht nur den Anlauf. Und der ist einmalig – wenn du jetzt durchhältst, musst du das nicht noch einmal machen.

» Was das für dich heißt

Wenn dein Traffic nach einem Relaunch eingebrochen ist, prüfe zuerst die vier Fehler oben. Sind sie ausgeschlossen, hast du kein technisches Problem, sondern ein Geduldsproblem – und das löst sich von allein, wenn du in der Zwischenzeit an Links und Inhalten arbeitest statt an der Technik.

Und falls du gerade erst über einen Relaunch nachdenkst: Die Weiterleitungen sind kein Detail für den Schluss. Sie gehören von Anfang an in die Planung, zusammen mit einer vollständigen Liste aller alten Adressen. Bei mir gehört genau das zum Umsetzungspaket dazu – nicht als Zusatzposten, sondern weil eine Website ohne Weiterleitungen nur zur Hälfte umgezogen ist.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis der Traffic nach einem Relaunch zurückkommt?

Bei einem sauber umgesetzten Relaunch mit vollständigen 301-Weiterleitungen erholen sich die Rankings meist innerhalb von vier bis zwölf Wochen. Bei kleinen Websites mit wenigen Backlinks dauert es länger, weil Google seltener crawlt. Ein Einbruch über mehr als sechs Monate deutet dagegen auf ein technisches Problem hin.

Ist ein Traffic-Einbruch nach dem Relaunch normal?

Ja. Sobald sich URLs, Struktur oder Inhalte ändern, muss Google die Website neu bewerten. In dieser Phase fallen die Rankings vorübergehend, weil die alten Signale nicht mehr gelten und die neuen noch nicht gesammelt sind. Entscheidend ist nicht, ob der Einbruch kommt, sondern ob er sich erholt.

Was ist der häufigste Fehler beim Website-Relaunch?

Fehlende 301-Weiterleitungen. Wenn alte Adressen im Nichts landen, verliert die neue Website die gesamte Autorität, die die alten Seiten über Jahre aufgebaut haben – inklusive aller Links, die von außen darauf zeigen. Jede alte Adresse braucht ein neues Ziel, das inhaltlich passt.

Hilft es, Seiten in der Search Console manuell indexieren zu lassen?

Ja, für einzelne wichtige Seiten. Die URL-Prüfung beschleunigt das erste Crawling spürbar. Sie ersetzt aber keine Sitemap und funktioniert nur in überschaubarer Menge. Priorisiere Startseite, Angebotsseite und die Blog-Übersicht – von dort findet Google den Rest allein.