» blog · · aktualisiert Juli 2026

Was kostet dich eine Stunde deiner Zeit wirklich?

„Das mache ich schnell selbst, dauert ja nur eine Stunde.“ Diesen Satz höre ich ständig – von Selbstständigen, die ihre eigene Zeit für kostenlos halten. Sie ist das Teuerste, was du hast. Hier ist die Rechnung, die das sichtbar macht.

» Der Trugschluss der kostenlosen Stunde

Die Rechnung im Kopf geht so: „Wenn ich das selbst mache, spare ich 80 Euro.“ Die Rechnung auf dem Papier sieht anders aus. Du sparst die 80 Euro – und verlierst gleichzeitig die Stunde, in der du hättest arbeiten, verkaufen oder ein Angebot schreiben können.

Ein Beispiel: Du verdienst 100 Euro pro Stunde mit dem, was du am besten kannst. Du verbringst eine Stunde damit, selbst an deiner Website herumzuschrauben, statt jemanden dafür zu bezahlen, der 80 Euro nimmt. Die Bilanz: 100 Euro entgangener Umsatz gegen 80 Euro gesparte Ausgaben. Du hast nicht 80 Euro gespart, du hast 20 Euro verloren – und das nur, wenn du in einer Stunde fertig bist.

» So berechnest du deinen echten Stundenwert

Die Rechnung ist einfach genug, um sie in fünf Minuten zu machen.

Schritt 1: Was willst du dieses Jahr verdienen? Sagen wir 120.000 Euro.
Schritt 2: Wie viele Stunden arbeitest du realistisch? 52 Wochen minus 6 Wochen Urlaub und Krankheit ergibt 46 Wochen. Davon sind aber nur etwa 60 Prozent deiner Arbeitszeit wirklich abrechenbar – der Rest geht für Akquise, Buchhaltung und Organisation drauf. Bei 40 Stunden pro Woche bleiben also rund 1.100 abrechenbare Stunden.
Schritt 3: 120.000 Euro geteilt durch 1.100 Stunden ergibt rund 109 Euro pro Stunde.

Das ist dein Mindeststundenwert. Jede Stunde, die du mit etwas anderem verbringst, kostet dich diesen Betrag – ob du ihn in Rechnung stellst oder nicht.

» Die versteckten Kosten kommen obendrauf

Der Stundenwert ist nur der offensichtliche Teil. Dazu kommen drei Kostenblöcke, die keiner einrechnet.

Einarbeitung. Wer eine Aufgabe zum ersten Mal macht, braucht ein Vielfaches der Zeit. Die Stunde, die du eingeplant hast, wird zu vier – davon drei mit Suchen, Ausprobieren und Rückgängigmachen.

Fehlerkosten. Was du nebenbei baust, funktioniert oft nicht ganz. Ein Formular, das keine Nachrichten weiterleitet, kostet dich keine Zeit – es kostet dich Aufträge. Wie oft genau das passiert, beschreibe ich in meinem Artikel über Kontaktformulare als Umsatzkiller.

Kopfkosten. Eine unerledigte Aufgabe im Hinterkopf kostet Aufmerksamkeit, auch wenn du gerade etwas anderes tust. Das ist schwer zu beziffern, aber jeder kennt das Gefühl.

» Die einfache Entscheidungsregel

Du musst nicht bei jeder Aufgabe rechnen. Drei Fragen reichen:

Erstens: Kostet es weniger als meinen Stundenwert, das abzugeben? Zweitens: Bin ich darin wirklich gut, oder tue ich nur so? Drittens: Bringt mich diese Aufgabe voran, oder hält sie mich nur beschäftigt?

Wenn du zweimal mit Nein antwortest, gib es ab. Das gilt für Buchhaltung genauso wie für die eigene Website – dort besonders, weil das Ergebnis direkt sichtbar ist. Was eine Website tatsächlich kostet, habe ich in diesem Artikel aufgeschlüsselt.

» Wo die Rechnung besonders eindeutig ist

Bei der eigenen Website ist der Effekt am größten – aus zwei Gründen. Erstens dauert es beim ersten Mal fast immer länger als gedacht: Zwei Wochenenden sind keine Ausnahme, sondern die Regel. Zweitens ist es keine einmalige Sache. Was du selbst baust, musst du auch selbst pflegen.

Zwei Wochenenden sind bei einem Stundenwert von 100 Euro rund 2.000 Euro Gegenwert – für ein Ergebnis, das meist nicht das ist, was du dir vorgestellt hast.

» Was das für dich heißt

Rechne einmal deinen Stundenwert aus und schreib ihn auf einen Zettel neben deinen Bildschirm. Beim nächsten „Das mach ich schnell selbst“ schaust du hin. Die meisten Entscheidungen beantworten sich dann von allein – nicht weil du dir nichts zutraust, sondern weil deine Zeit an anderer Stelle mehr wert ist. Wenn deine Website auf dieser Liste steht: so arbeite ich.

Häufige Fragen

Wie berechne ich meinen Stundenwert als Selbstständige?

Teile deinen Wunschjahresumsatz durch deine realistisch abrechenbaren Stunden. Rechne mit 46 Arbeitswochen und davon etwa 60 Prozent abrechenbarer Zeit – der Rest geht für Akquise, Buchhaltung und Organisation drauf. Bei 120.000 Euro Wunschumsatz sind das rund 109 Euro pro Stunde.

Ab wann lohnt es sich, eine Aufgabe abzugeben?

Wenn der Preis unter deinem Stundenwert liegt und die Aufgabe nicht zu deinem Kerngeschäft gehört. Rechne dabei nicht mit der Zeit, die ein Profi braucht, sondern mit der Zeit, die du selbst brauchen würdest – inklusive Einarbeitung.

Ist Selbermachen nicht trotzdem günstiger, wenn ich gerade wenig zu tun habe?

Kurzfristig ja. Nur ist Leerlauf meist der beste Moment für Akquise, Angebote und Sichtbarkeit – also für die Arbeit, die die nächsten Aufträge bringt. Wer Leerlauf mit Nebenaufgaben füllt, verlängert ihn oft.

Wie lange dauert es, eine Website selbst zu bauen?

Beim ersten Mal deutlich länger als gedacht: Zwei bis drei Wochenenden sind realistisch, wenn Texte, Bilder und Technik dazugehören. Dazu kommt die laufende Pflege. Genau diese Folgezeit wird bei der Entscheidung meist vergessen.