» blog · seo & sichtbarkeit · · von Cornelia Scherer

Lokale Suchmaschinenoptimierung: gefunden werden, wo du arbeitest

Wer im Umkreis arbeitet, kämpft bei Google gegen eine ganz andere Liste als jemand mit bundesweitem Angebot. Über den normalen Treffern liegt eine Karte mit drei Einträgen, und diese drei bekommen den Löwenanteil der Anrufe. Wie man dorthin kommt, folgt anderen Regeln als der Rest.

» Lokale Suche ist eine eigene Ergebnisliste

Wenn jemand „Physiotherapie Lüneburg“ eingibt oder auch nur „Physiotherapie in der Nähe“, bekommt er zwei Listen übereinander. Oben eine Karte mit drei Einträgen samt Öffnungszeiten, Bewertungen und Anruf-Knopf. Darunter erst die gewohnten blauen Links.

Diese beiden Listen werden getrennt erstellt. Du kannst in der unteren auf Platz zwei stehen und in der oberen gar nicht vorkommen — und umgekehrt. Das erklärt eine Beobachtung, die Kundinnen mir oft schildern: „Ich finde mich doch, wenn ich suche.“ Ja — nur eben unterhalb der Karte, wo deutlich weniger Menschen hinsehen.

Der Kasten oben speist sich nicht aus deiner Website, sondern aus deinem Unternehmensprofil bei Google. Das ist der Grund, warum lokale Sichtbarkeit einen eigenen Weg braucht. Wie du dieses Profil überhaupt anlegst, habe ich in Google Unternehmensprofil erstellen beschrieben — hier geht es um das, was danach kommt.

» Drei Dinge entscheiden, und eines davon ist fest

Google nennt die Kriterien für lokale Treffer selbst, und sie sind erfreulich unmysteriös: Entfernung, Passung, Bekanntheit.

Entfernung ist der Abstand zwischen dem Standort der suchenden Person und deinem. Daran kannst du nichts ändern, außer umzuziehen. Es bedeutet aber auch: Es gibt kein „Platz eins“, das für alle gilt. Dieselbe Suche liefert zwei Straßen weiter ein anderes Ergebnis.

Passung ist die Frage, ob dein Angebot zur Anfrage passt. Hier entscheidet vor allem, wie genau deine Kategorie und deine Leistungsbeschreibung das treffen, wonach gesucht wird.

Bekanntheit ist alles, was dich außerhalb deiner eigenen Kanäle belegt: Erwähnungen, Verzeichnisse, Presse, Bewertungen, Links.

Weil die Entfernung feststeht, verteilt sich die ganze Arbeit auf die beiden anderen. Das ist eine bessere Ausgangslage, als es klingt: Du konkurrierst nicht mit ganz Deutschland, sondern mit den Betrieben in deinem Umkreis. Das ist eine Handvoll, keine Tausend.

» Der Ort muss im Text stehen, nicht nur im Impressum

Der häufigste vermeidbare Fehler: Auf der ganzen Website steht der Ortsname genau einmal, nämlich im Impressum. Manchmal sogar nur als Postleitzahl.

Google errät den Bezug nicht zuverlässig. Wenn auf deiner Startseite „Praxis für Ergotherapie“ steht und sonst nichts, fehlt die Verbindung zum Ort, an dem du arbeitest.

Das lässt sich in einer halben Stunde beheben, ohne dass der Text nach Suchmaschine klingt. Die Überschrift darf den Ort nennen. Der Absatz über dein Angebot darf sagen, für welches Einzugsgebiet du arbeitest. Die Anfahrt darf beschrieben werden — „fünf Minuten vom Bahnhof, Parkplätze im Hof“ ist für Menschen nützlich und für Maschinen ein Ortssignal.

Ein Hinweis dazu: Seiten, die nur aus Ortsnamen bestehen — dieselbe Leistung, zwanzigmal mit wechselnder Stadt — wirken nicht mehr. Sie werden als das erkannt, was sie sind. Eine ehrliche Seite über dein tatsächliches Einzugsgebiet ist wirksamer als zwanzig leere.

» Die Kategorie ist der wichtigste Schalter im Profil

Im Unternehmensprofil gibt es ein Feld, das mehr entscheidet als alle anderen zusammen: die Hauptkategorie. Sie bestimmt, bei welchen Suchanfragen du überhaupt in Betracht kommst.

Das wird regelmäßig unterschätzt, weil die Auswahl beim Anlegen nebenbei passiert. Wer sich als „Unternehmensberater“ einträgt, obwohl er Steuerberatung macht, taucht bei der einen Suche auf und bei der anderen nie — unabhängig davon, wie gut die Website ist. Die Hauptkategorie ist keine Beschreibung, sie ist ein Filter.

Zwei Dinge helfen dabei. Erstens: Sieh nach, welche Kategorie die drei Betriebe tragen, die bei deiner wichtigsten Suche im Kartenkasten stehen. Das ist öffentlich einsehbar und aussagekräftiger als jede Vermutung.

Zweitens: Nebenkategorien sind erlaubt und sinnvoll, aber sparsam. Wer acht Kategorien anhäuft, wird für keine davon als eindeutig passend erkannt. Eine Hauptkategorie, die genau trifft, und zwei bis drei Nebenkategorien, die tatsächlich zum Angebot gehören — mehr braucht es nicht.

Die Kategorie zu ändern ist eine Sache von zwei Minuten und wirkt oft innerhalb weniger Tage. Es ist der einzige Punkt in diesem Text, bei dem so wenig Aufwand so viel ausmachen kann.

» Widersprüchliche Angaben sind der stille Fehler

Name, Adresse und Telefonnummer stehen bei den meisten Selbstständigen an mehr Stellen im Netz, als ihnen bewusst ist: eigene Website, Google-Profil, Branchenverzeichnisse, Facebook, der Eintrag beim Verband, die alte Seite, die noch irgendwo liegt.

Und selten stimmen alle überein. Mal „Str.“, mal „Straße“. Mal die Handynummer, mal die Festnetznummer. Mal mit dem Namenszusatz, mal ohne. Manchmal eine Adresse von vor zwei Umzügen.

Jede Abweichung schwächt das Signal, weil unklar wird, ob von demselben Betrieb die Rede ist. Das ist kein Drama, aber es ist der billigste Punkt auf der ganzen Liste: Du musst nichts aufbauen, nur aufräumen.

Der praktische Einstieg: Such deinen eigenen Firmennamen zusammen mit deiner Telefonnummer. Was dabei auftaucht, ist deine tatsächliche Datenlage — meist inklusive mindestens eines Eintrags, von dem du nichts wusstest.

» Bewertungen wirken, aber anders als gedacht

Bewertungen sind in lokalen Ergebnissen ein echter Faktor, und zwar in zwei Richtungen gleichzeitig: Sie beeinflussen, wo du auftauchst, und sie entscheiden, ob jemand klickt.

Wichtiger als die reine Sternezahl ist dabei die Regelmäßigkeit. Fünfzig Bewertungen, die alle aus einem Monat vor drei Jahren stammen, wirken schwächer als fünfzehn, die sich über zwei Jahre verteilen. Ein Betrieb, der laufend bewertet wird, ist erkennbar aktiv.

Ebenso zählt, ob du antwortest. Eine sachliche Antwort auf eine kritische Bewertung überzeugt mehr Menschen als die Bewertung selbst abschreckt — weil Lesende daran sehen, wie du mit Problemen umgehst.

Was du lassen solltest: Bewertungen kaufen oder nur zufriedene Kundinnen gezielt herauspicken. Beides ist nachweisbar und beides kann das Profil kosten. Wie man ehrlich danach fragt, steht in Kundenstimmen einholen.

» Wann lokale Optimierung nichts bringt

Eine Ausnahme gibt es, und sie betrifft mehr Selbstständige, als man denkt: Wenn dein Angebot ortsunabhängig ist, ist lokale Optimierung verlorene Zeit.

Eine Beraterin, die ausschließlich per Video arbeitet, eine Texterin, eine Online-Kursanbieterin — sie alle haben zwar eine Adresse, aber niemand sucht sie in ihrer Stadt. Wer hier Arbeit in den Kartenkasten steckt, optimiert auf eine Suche, die nicht stattfindet.

Der Test ist einfach: Würde eine Kundin deinen Ortsnamen mit eingeben? Wenn du ehrlich „nein“ sagst, gehört deine Zeit in fachliche Inhalte statt in lokale Signale.

Der Zwischenfall ist häufig: Manche arbeiten zu achtzig Prozent online und zu zwanzig Prozent vor Ort. Dann lohnt sich ein gepflegtes Profil, aber kein größerer Aufwand darüber hinaus.

» Was das für dich heißt

Lokale Sichtbarkeit ist der Bereich, in dem kleine Betriebe die besten Chancen haben. Der Wettbewerb ist auf deinen Umkreis begrenzt, und die meisten dort tun wenig bis nichts.

Drei Schritte reichen für den Anfang. Sorg dafür, dass dein Unternehmensprofil vollständig ist und die richtige Kategorie trägt. Bring deine Angaben überall in Übereinstimmung. Und schreib den Ort dorthin, wo er hingehört — in den Text, nicht nur ins Impressum.

Danach wird es zur Gewohnheit statt zum Projekt: nach jedem abgeschlossenen Auftrag nach einer Bewertung fragen, alle paar Monate die eigenen Angaben nachsehen. Das sind zwei Stunden im Jahr.

Wenn du lieber jemanden hast, der das einmal sauber aufsetzt und dir zeigt, was danach deine Aufgabe ist: so arbeite ich.

» Häufige Fragen

Brauche ich eine Adresse, um lokal gefunden zu werden?

Für den Kartenkasten braucht Google eine überprüfbare Adresse oder ein klar benanntes Einzugsgebiet. Wer Kundinnen besucht statt sie zu empfangen, kann die Adresse verbergen und stattdessen das Gebiet angeben. Ganz ohne Standortangabe ist ein Eintrag im Kartenkasten nicht möglich — in den normalen Ergebnissen darunter kannst du trotzdem lokal ranken.

Wie lange dauert es, bis lokale Maßnahmen wirken?

Änderungen am Unternehmensprofil greifen oft innerhalb weniger Tage, weil Google diese Daten häufig abruft. Textänderungen auf der Website brauchen Wochen, Bewertungen und Erwähnungen wirken über Monate. Die schnellsten Ergebnisse kommen also aus dem Profil, die dauerhaften aus dem Rest.

Lohnen sich Einträge in Branchenverzeichnissen?

Ein paar wenige, gut gepflegte ja — vor allem die bekannten und die fachspezifischen deiner Branche. Was sich nicht lohnt, sind Pakete mit hunderten Einträgen in Sammelverzeichnissen. Sie bringen weder Besucherinnen noch Wirkung und erzeugen vor allem neue Stellen, an denen deine Angaben veralten können.

Kann ich in mehreren Städten gleichzeitig gefunden werden?

Im Kartenkasten kaum, denn dort entscheidet die Entfernung zur suchenden Person. In den normalen Ergebnissen geht es, wenn du für jede Stadt wirklich etwas zu sagen hast — eigene Räume, eigene Ansprechperson, eigene Referenzen. Reine Textkopien mit ausgetauschtem Ortsnamen wirken nicht mehr.