» blog · anfragen gewinnen · · von Cornelia Scherer

Kundenstimmen einholen: die Fragen, die brauchbare Antworten bringen

Fast jede Selbstständige hat zufriedene Kundinnen und fast keine hat brauchbare Kundenstimmen. Das liegt selten an den Kundinnen. Es liegt daran, wie gefragt wird — denn auf die Frage „Magst du mir eine Bewertung schreiben?“ bekommt man verlässlich einen Satz, der nichts sagt.

» Warum die meisten Kundenstimmen nichts bewirken

Auf den meisten Websites stehen Sätze wie „Die Zusammenarbeit war super, ich kann Frau X nur empfehlen!“ Das ist freundlich gemeint und wirkt trotzdem nicht — aus einem einfachen Grund: Es steht nichts drin, was jemand nachprüfen oder auf sich beziehen könnte.

Eine Kundenstimme muss dieselbe Arbeit leisten wie ein guter Verkaufstext: Sie muss zeigen, dass jemand mit demselben Problem wie die Leserin da war und wieder herausgekommen ist. Dafür braucht sie drei Bestandteile: die Ausgangslage, die Sorge, die vorher da war, und das Ergebnis.

Genau diese drei bekommt man nie, wenn man um „eine Bewertung“ bittet. Denn die Kundin weiß ja nicht, dass sie gebraucht werden. Sie schreibt, was ihr einfällt, und was ihr einfällt, ist Lob.

» Der Zeitpunkt entscheidet mit

Die meisten fragen am Projektende. Das ist verständlich und meist zu spät.

Der beste Moment ist kurz nach dem ersten sichtbaren Ergebnis. Bei einer Website ist das der Tag, an dem sie online geht — nicht vier Wochen später, wenn die Begeisterung dem Alltag gewichen ist. Bei einer Begleitung ist es der Moment, in dem die Kundin selbst sagt, dass sich etwas verändert hat. Genau dann schreib es dir auf und frag am selben oder nächsten Tag.

Zwei Zeitpunkte funktionieren dagegen schlecht: direkt nach der Rechnung — das wirkt wie eine Gegenleistung — und Monate später, wenn die Einzelheiten verblasst sind und nur noch „war gut“ übrig ist.

» Die sieben Fragen

Statt um eine Bewertung zu bitten, schick sieben Fragen. Das klingt nach mehr Arbeit für die Kundin, ist aber weniger: Fragen beantworten ist leichter, als ein leeres Feld zu füllen.

Die zweite Frage ist die, die den Unterschied macht. Antworten darauf klingen etwa so: „Ehrlich gesagt fand ich es teuer, und ich hatte Angst, am Ende wieder etwas zu haben, das ich nicht selbst ändern kann.“ Genau dieser Satz nimmt der nächsten Interessentin ihre eigene Sorge ab — und zwar glaubwürdiger, als du es je könntest.

Sag dazu, dass drei bis vier beantwortete Fragen völlig reichen und dass Stichworte genügen. Sonst antwortet niemand.

» Wie du fragst, ohne dich unwohl zu fühlen

Der häufigste Grund, warum Selbstständige keine Kundenstimmen haben, ist nicht Ablehnung. Es ist, dass sie nie gefragt haben.

Was dabei hilft: Mach es klein und gib einen Ausweg. Eine kurze Nachricht, kein Formular. Ein Satz, warum du fragst. Die Fragen darunter. Und ausdrücklich: „Wenn es gerade nicht passt, sag einfach Bescheid, das ist völlig in Ordnung.“

Der Satz am Ende ist kein Höflichkeitsfloskel, er ist der Grund, warum die Leute antworten. Wer einen leichten Ausweg hat, fühlt sich nicht gedrängt — und sagt deshalb eher zu.

Und rechne damit, dass etwa die Hälfte antwortet. Das ist normal und kein Urteil über deine Arbeit. Frag lieber fünf Kundinnen gleichzeitig als eine nach der anderen.

» Was du daraus machen darfst

Du bekommst meist eine E-Mail mit sieben Antworten in Stichworten. Daraus wird die Kundenstimme — und ja, du darfst sie bearbeiten. Aber nur in eine Richtung.

Erlaubt: kürzen, Reihenfolge ändern, Tippfehler beheben. Nicht erlaubt: umformulieren, zuspitzen, Sätze hinzufügen, die so nicht gesagt wurden. Der Unterschied ist nicht nur moralisch — eine erfundene Kundenstimme ist wettbewerbsrechtlich eine irreführende Werbung.

Schick die fertige Fassung immer zur Freigabe zurück. Ein Satz reicht: „So würde ich es auf meine Seite stellen — passt das für dich?“ Das ist Höflichkeit, es ist rechtlich sauber, und es führt erstaunlich oft dazu, dass die Kundin noch etwas Besseres nachliefert.

Wenn du kürzt, schreib dazu, dass es ein Auszug ist. Und wenn die vollständige Fassung gut ist, zeig sie: Ein aufklappbarer Bereich mit „weiterlesen“ hält die Seite ruhig, und der ganze Text steht trotzdem im Quelltext — Google und KI-Suchen lesen ihn vollständig.

» Aus sieben Antworten wird eine Stimme

Damit das nicht abstrakt bleibt: So sieht der Weg von der Antwort zur fertigen Kundenstimme aus.

Das kommt zurück (gekürzt, aber im Ton typisch): „Vorher hatte ich eine Seite von 2019, die ich selbst nicht ändern konnte. Ich habe lange gezögert, weil ich schon zweimal Geld für etwas ausgegeben hatte, mit dem ich hinterher nichts anfangen konnte. Überrascht hat mich, wie schnell es ging — nach einer Woche war sie online. Seitdem kommen die Anfragen über das Formular statt über Instagram, und ich schicke den Link inzwischen selbst herum. Für jemanden, der vor allem eine hübsche Seite will, ist es vielleicht zu nüchtern.“

Daraus wird auf der Seite: Genau dieser Text, gekürzt auf die drei tragenden Sätze — Ausgangslage, Zögern, Ergebnis. Der Satz über die zweimal ausgegebenen Gelder bleibt unbedingt drin. Der letzte Satz mit der Einschränkung ebenfalls, denn er macht das Ganze glaubwürdig: Eine Stimme, die nur lobt, liest sich wie bestellt.

Was du nicht daraus machen darfst: „Cornelia hat meine Anfragen verdreifacht!“ Das steht da nicht, und es zu behaupten wäre irreführende Werbung. Was dasteht, reicht.

» Wohin sie gehören

Nicht auf eine eigene Seite namens „Referenzen“. Solche Seiten werden kaum aufgerufen, und wer sie aufruft, ist ohnehin schon überzeugt.

Kundenstimmen wirken dort, wo gerade ein Zweifel entsteht: neben dem Preis, unter dem Ablauf, kurz vor dem Kontaktformular. Eine gut platzierte Stimme beantwortet den Einwand, der genau an dieser Stelle im Kopf auftaucht.

Dazu gehören Name, Nachname und ein Foto, wenn es die Kundin erlaubt, und ein Link auf ihre Seite. Das nützt beiden: Deine Stimme wird nachprüfbar, und sie bekommt einen Verweis. Ein anonymes „M. K. aus B.“ wirkt eher verdächtig als überzeugend.

» Der Fehler, der teuer werden kann

Es liegt nahe, Kundenstimmen technisch als Bewertungen auszuzeichnen — mit strukturierten Daten, damit bei Google Sternchen erscheinen. Fast jedes SEO-Plugin bietet das an.

Tu das nicht. Google schreibt dazu unmissverständlich: Wenn die Einrichtung, die bewertet wird, die Bewertungen über sich selbst kontrolliert, sind ihre Seiten von der Sternchen-Darstellung ausgeschlossen. Selbst ausgewählte Kundenstimmen auf der eigenen Website sind genau das.

Die Sternchen erscheinen also ohnehin nicht. Im schlechteren Fall wertet Google es als Verstoß gegen die Richtlinien für strukturierte Daten — und eine manuelle Maßnahme betrifft dann nicht nur diese eine Auszeichnung, sondern deine Domain.

Kundenstimmen als Text sind völlig in Ordnung und wirken auf Menschen genauso. Wenn du Sterne willst, gehören sie dorthin, wo du sie nicht kontrollierst: ins Google-Unternehmensprofil.

» Was das für dich heißt

Nimm dir die drei Kundinnen, mit denen die Zusammenarbeit zuletzt am besten lief, und schick ihnen heute die sieben Fragen. Nicht allen auf einmal, nicht als Projekt — drei Nachrichten, zwanzig Minuten.

Was du zurückbekommst, ist meist besser als alles, was du selbst über deine Arbeit schreiben könntest. Vor allem der Satz über das anfängliche Zögern: Den kannst du nicht erfinden, und er überzeugt die nächste Interessentin mehr als jede Leistungsliste.

Und wenn dabei herauskommt, dass die Stimmen zwar gut sind, aber auf deiner Seite an der falschen Stelle stehen — das ist eine der Sachen, die ich mir ansehe, wenn ich eine Website baue.

» Häufige Fragen

Darf ich eine Kundenstimme kürzen?

Ja, kürzen und Tippfehler beheben ist üblich und unproblematisch. Nicht erlaubt ist, den Sinn zu verändern, zuzuspitzen oder Sätze zu ergänzen, die so nicht gesagt wurden. Schick die gekürzte Fassung immer zur Freigabe zurück, und weise auf der Seite darauf hin, dass es ein Auszug ist.

Wann ist der beste Zeitpunkt, um zu fragen?

Kurz nach dem ersten sichtbaren Ergebnis — bei einer Website am Tag des Livegangs. Dann sind die Einzelheiten noch präsent und die Freude echt. Direkt nach der Rechnung wirkt es wie eine Gegenleistung, Monate später bleibt nur noch ein allgemeines Lob übrig.

Sollte ich Kundenstimmen als Bewertung auszeichnen, damit Sterne bei Google erscheinen?

Nein. Google schließt Seiten von der Sternchen-Darstellung aus, wenn die bewertete Einrichtung die Bewertungen über sich selbst kontrolliert — und genau das sind ausgewählte Kundenstimmen auf der eigenen Website. Die Sterne erscheinen also nicht, im schlechteren Fall wertet Google es als Richtlinienverstoß. Sterne gehören ins Google-Unternehmensprofil, wo du sie nicht kontrollierst.

Was mache ich, wenn niemand antwortet?

Rechne damit, dass etwa die Hälfte antwortet — das ist normal. Frag deshalb mehrere Kundinnen gleichzeitig statt einer nach der anderen, halte die Nachricht kurz und gib ausdrücklich einen Ausweg („wenn es gerade nicht passt, sag einfach Bescheid“). Gerade dieser Satz erhöht die Antwortquote, weil sich niemand gedrängt fühlt.