» Platz eins ist die falsche Frage
Es gibt kein Ranking deiner Website. Es gibt ein Ranking je Suchbegriff, und zwar für jede Person ein leicht anderes — abhängig vom Ort, vom Gerät und davon, was sie vorher gesucht hat. Zwei Menschen, die am selben Nachmittag dasselbe eingeben, bekommen nicht dieselbe Liste.
Für dich heißt das: Die Frage „Wie komme ich nach vorn?“ ist unbeantwortbar, solange nicht dabeisteht, wofür. Und sie ist oft die falsche Frage. Platz eins für einen Begriff, den niemand sucht, bringt nichts. Platz vier für einen Begriff, den genau deine Kundinnen eingeben, bringt Anfragen.
Ich erlebe das in Erstgesprächen regelmäßig: Jemand ärgert sich, bei einem Begriff nicht vorn zu stehen, den in Deutschland vielleicht zwanzig Menschen im Monat eingeben — und steht gleichzeitig bei drei Begriffen auf Seite zwei, die zusammen vierhundert Suchen im Monat haben. Die Arbeit liegt dort, nicht bei Platz eins.
» Drei Dinge, mehr kann Google gar nicht bewerten
Suchmaschinen wirken kompliziert, weil viel darüber geschrieben wird. Im Kern prüfen sie drei Dinge, und jede sinnvolle Maßnahme zahlt auf eines davon ein.
Erstens: Kann ich die Seite überhaupt lesen? Findet der Suchmaschinen-Roboter den Text, oder muss er dafür erst ein Programm ausführen? Lädt die Seite schnell genug, dass er sie regelmäßig abholt? Steht irgendwo versehentlich die Anweisung, sie nicht aufzunehmen?
Zweitens: Passt die Seite zur Frage? Stehen die Wörter darauf, die eingegeben werden — und beantwortet der Text die Frage wirklich, statt sie nur zu erwähnen?
Drittens: Halten andere die Seite für vertrauenswürdig? Wird sie von anderen Seiten verlinkt, taucht der Name an anderen Stellen im Netz auf, gibt es das Angebot seit Jahren?
Alles, was du an Ratschlägen liest, lässt sich einem dieser drei Punkte zuordnen. Was sich keinem zuordnen lässt, kannst du meistens weglassen.
» Der häufigste Grund: die Seite beantwortet eine andere Frage
Bei Selbstständigen hängt es selten an der Technik. Es hängt an der Sprache. Auf der Seite steht, wie man sich selbst beschreibt — gesucht wird aber nach dem Problem.
Ein Beispiel aus meiner eigenen Seite: Bis August 2026 stand das Wort „Baukasten“ fünfzehnmal auf meiner Startseite. „Statische Website“ stand dort kein einziges Mal. Ich hatte beschrieben, wogegen ich arbeite, nicht, was ich baue. Ein Mensch versteht das. Eine Suchmaschine findet damit nichts.
Das Muster wiederholt sich fast überall. „Ganzheitliche Begleitung“ statt „Rückenschmerzen“. „Individuelle Lösungen“ statt „Steuererklärung Kleinunternehmer“. Wer nach einer Lösung sucht, kennt deinen Fachbegriff nicht — sonst bräuchte er dich nicht.
Die Korrektur kostet nichts außer Ehrlichkeit: Schreib auf, mit welchen Worten deine letzten fünf Kundinnen ihr Problem beschrieben haben, als sie sich zum ersten Mal meldeten. Genau diese Worte gehören auf die Seite. Wie du daraus Texte machst, steht ausführlich in meinem Beitrag über SEO-Texte schreiben.
» Vorher messen, ob ein Begriff überhaupt erreichbar ist
Das ist der Teil, den fast niemand macht — und der am meisten Frust spart. Bevor du Arbeit in einen Suchbegriff steckst, lässt sich abschätzen, ob du ihn gewinnen kannst.
Der beste Anhaltspunkt sind die verweisenden Domains der Seiten, die aktuell vorn stehen: wie viele verschiedene andere Websites auf sie verlinken. Das ist der Wert, der sich am schlechtesten aufholen lässt, weil er Jahre braucht.
Ein konkretes Beispiel, gemessen im September 2026: Für den Begriff „google ranking verbessern“ — 480 Suchen im Monat — haben die vorderen Treffer im Schnitt 5,5 verweisende Domains. Das ist wenig. Für „website optimieren“, mit 1.000 Suchen nur doppelt so gefragt, sind es 64. Der zweite Begriff ist für eine kleine Seite auf Jahre unerreichbar, der erste nicht.
Meine eigene Seite hat 41 verweisende Domains. Daraus ergibt sich eine schlichte Faustregel, die ich auch für Kundinnen benutze: unter 15 sicher erreichbar, bis etwa zur eigenen Zahl mit einem guten Text erreichbar, deutlich darüber nicht. Diese eine Zahl vorher nachzusehen, ist mehr wert als zehn Ranking-Tipps.
» Geschwindigkeit ist kein Detail
Ladezeit wird gern als Feinschliff behandelt, den man später macht. Sie ist aber einer der wenigen Hebel, die gleichzeitig auf alle drei Punkte oben einzahlen.
Eine schnelle Seite wird häufiger und vollständiger abgeholt. Sie wird häufiger zu Ende gelesen. Und sie wird häufiger weiter empfohlen, weil niemand einen Link teilt, bei dem man erst drei Sekunden auf ein Bild wartet.
Der Unterschied ist größer, als er klingt. Eine Seite, die aus fertigen HTML-Dateien besteht, liefert der Server unverändert aus — das dauert Bruchteile einer Sekunde. Eine Seite, die bei jedem Aufruf aus einer Datenbank zusammengebaut wird und dabei zwanzig Erweiterungen durchläuft, braucht oft das Zehnfache. Warum das so ist, habe ich in Was ist eine statische Website auseinandergenommen.
Das ist kein Argument für Perfektion. Es ist ein Argument dafür, die Geschwindigkeit nicht ans Ende der Liste zu schieben — sie ist selten das Einzige, aber fast immer Teil der Antwort.
» Vertrauen entsteht außerhalb deiner Website
Den dritten Punkt kannst du auf deiner eigenen Seite nicht lösen, und das macht ihn unbeliebt. Google schaut, wer sonst noch auf dich zeigt.
Damit sind keine gekauften Verzeichniseinträge gemeint. Die funktionieren seit Jahren nicht mehr und können schaden. Gemeint sind echte Erwähnungen: der Verband, in dem du Mitglied bist. Die Kollegin, mit der du ein Projekt gemacht hast. Der Podcast, in dem du zu Gast warst. Die Kundin, die dich auf ihrer Seite nennt.
Das lässt sich nicht in einer Woche erledigen, und deshalb wird es meist gar nicht erst angefangen. Dabei reicht wenig: Fünf echte Erwähnungen von Seiten, die selbst etwas gelten, bringen mehr als fünfzig Einträge in Sammelverzeichnissen.
Wenn du nur eine Sache tust: Frag die drei Menschen, mit denen du zuletzt zusammengearbeitet hast, ob sie dich auf ihrer Seite verlinken. Das kostet eine Mail und ist ehrlicher als jede Abkürzung.
» Was du dir sparen kannst
Einiges von dem, was in Ratgebern steht, stammt aus den Nullerjahren und hält sich hartnäckig.
Keyword-Dichte. Die Idee, ein Begriff müsse in einem bestimmten Prozentsatz vorkommen, ist überholt. Texte, die danach gebaut sind, liest man ihnen an — und genau das erkennen Suchmaschinen inzwischen auch.
Meta-Keywords. Das Feld wird seit über fünfzehn Jahren nicht mehr ausgewertet. Wenn eine Agentur es dir als Leistung verkauft, ist das ein Hinweis auf den Rest des Angebots.
Mehr Text um des Textes willen. Lange Texte ranken nicht, weil sie lang sind, sondern weil vollständige Antworten oft länger ausfallen. Ein Absatz, der nur sagt, was gleich kommt, hilft niemandem.
Gekaufte Links. Sie sind der einzige Punkt auf dieser Liste, der nicht nur wirkungslos ist, sondern aktiv gefährlich. Eine manuelle Maßnahme gegen die eigene Domain ist mühsam rückgängig zu machen.
» Was das für dich heißt
Wenn du morgen anfangen willst, brauchst du kein Werkzeug und keine Agentur. Du brauchst eine ehrliche Antwort auf zwei Fragen: Wofür willst du gefunden werden, und ist dieser Begriff für eine Seite deiner Größe überhaupt erreichbar?
Stimmt beides, ist der Rest Handwerk: die Worte deiner Kundinnen auf die Seite, eine Technik, die nicht bremst, und über die Zeit ein paar echte Erwähnungen anderswo. Das ist unspektakulär, und es wirkt.
Wichtig ist der Zeithorizont. Bei einer neuen Seite vergehen Wochen, bis Google sie überhaupt vollständig kennt, und Monate, bis sich Positionen einpendeln. Wer nach zwei Wochen aufgibt, hat nicht zu wenig getan, sondern zu früh gemessen.
Und falls bei dir gerade gar nichts ankommt: Das hat oft eine andere Ursache als ein schlechtes Ranking — nämlich, dass die Seite überhaupt nicht im Index steht. Woran das liegt, steht in Website nicht bei Google. Und wenn du das lieber abgeben willst: so arbeite ich.
» Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis sich ein Ranking verbessert?
Bei einer bestehenden Seite zeigen Änderungen an Texten und Struktur meist nach vier bis acht Wochen Wirkung. Bei einer neuen Seite dauert es länger: Erst muss Google sie vollständig aufnehmen, dann muss sich eine Position einpendeln. Drei bis sechs Monate sind normal. Wer wöchentlich misst, sieht vor allem Rauschen.
Brauche ich für besseres Ranking eine neue Website?
Nicht unbedingt. Wenn die Seite technisch lesbar ist und schnell genug lädt, liegt das Problem meist an den Texten, und die lassen sich ändern. Eine neue Seite lohnt sich dann, wenn die Technik selbst bremst — etwa weil Inhalte erst per Skript nachgeladen werden oder die Seite mehrere Sekunden braucht.
Wie finde ich heraus, wofür ich gefunden werden sollte?
Der einfachste Weg führt über deine eigenen Erstgespräche: Mit welchen Worten haben deine letzten Kundinnen ihr Problem beschrieben, bevor sie dich kannten? Diese Formulierungen sind deine Suchbegriffe. Prüfen lässt sich danach, ob sie überhaupt gesucht werden — und wie stark die Seiten sind, die dort schon stehen.
Schaden mir alte Blogartikel, die niemand liest?
Artikel ohne Aufrufe schaden nicht. Schaden können Artikel, die inhaltlich falsch geworden sind oder dieselbe Frage beantworten wie ein neuerer Beitrag — dann konkurrieren zwei eigene Seiten um denselben Begriff. In dem Fall ist es besser, beide zu einem guten Text zusammenzuführen und den alten weiterzuleiten.