» blog · anfragen gewinnen · · von Cornelia Scherer

Website-Texte schreiben: der Ablauf, der das leere Blatt vermeidet

Die Website ist bestellt, das Design steht, und dann kommt der Satz, an dem Projekte wochenlang hängen bleiben: „Schick mir einfach deine Texte.“ Das Problem ist selten mangelndes Schreibtalent. Es ist die Reihenfolge — fast alle fangen an der schwersten Stelle an.

» Warum das leere Blatt entsteht

Fast alle fangen bei der Startseite an. Das ist verständlich — sie steht ja vorn — und es ist der Grund, warum es nicht weitergeht.

Die Startseite ist die schwerste Seite einer Website. Sie muss in wenigen Zeilen sagen, was du tust, für wen, was es bringt, warum ausgerechnet du, und dazu noch zum nächsten Schritt führen. Wer damit beginnt, versucht, sein ganzes Geschäft in einem Absatz zusammenzufassen, bevor er es an einer einzigen Stelle ausformuliert hat.

Kein Wunder, dass da nichts kommt. Das leere Blatt ist kein Talentproblem, es ist ein Reihenfolgenproblem. Und Reihenfolgen lassen sich ändern.

» Dein Rohmaterial existiert längst

Bevor du irgendetwas schreibst, sammelst du. Denn die meisten Sätze, die auf deine Website gehören, hast du schon geschrieben oder gesagt — nur an anderer Stelle.

Such an diesen vier Orten:

Nach einer Stunde Sammeln hast du meist zwei bis drei Seiten Rohmaterial. Von da an schreibst du nicht mehr, du sortierst — und das ist eine völlig andere Aufgabe.

» Die Reihenfolge, die funktioniert

Erstens: die Angebotsseite. Sie ist die leichteste, weil du dort etwas beschreibst, was es schon gibt. Was ist drin, was kostet es, wie läuft es ab, was brauchst du von der Kundin. Das meiste steht in deinen Angeboten bereits. Warum diese Seite ohnehin die wichtigste ist, steht in Die Angebotsseite.

Zweitens: Über mich. Jetzt weißt du, was du verkaufst, also weißt du auch, welcher Teil deiner Geschichte dazu passt. Genau der kommt auf die Seite, der Rest nicht. Wie man das aufbaut, steht in Über-mich-Seite: Verkaufsinstrument statt Autobiografie.

Drittens: die Startseite. Sie besteht am Ende zum großen Teil aus Kurzfassungen der beiden anderen Seiten. Was vorher unmöglich aussah, ist jetzt eine Kürzungsaufgabe. Welche Abschnitte in welcher Reihenfolge, steht in Homepage-Aufbau.

Viertens: alles andere. Kontakt, Rechtstexte, einzelne Leistungsseiten. Das geht schnell, wenn die drei großen stehen.

» Wie du einen Abschnitt tatsächlich schreibst

Auch mit Rohmaterial bleibt die Frage, wie aus Notizen Sätze werden. Das hilft mir zuverlässig:

Schreib zuerst die Frage über den Abschnitt. „Was kostet das?“ steht als Überschrift da, während du schreibst. Danach formulierst du sie in eine echte Überschrift um. Solange die Frage dasteht, schweifst du nicht ab.

Schreib den ersten Satz als Antwort, nicht als Anlauf. Nicht „In diesem Abschnitt möchte ich erläutern, wie sich die Kosten zusammensetzen“, sondern „Eine Website bei mir kostet zwischen 3.000 und 6.000 Euro.“ Der Anlauf ist immer streichbar.

Schreib zu lang und kürz danach. Der Versuch, gleich knapp zu formulieren, ist der zweite Grund fürs leere Blatt. Erst alles hinschreiben, dann streichen — das sind zwei Arbeitsgänge, und beide sind einzeln leicht.

» Was KI übernehmen kann — und was nicht

Der naheliegende Gedanke ist, ChatGPT oder Claude einfach „schreib mir eine Startseite“ zu sagen. Das Ergebnis ist immer dasselbe: ein glatter Text, der zu jeder Coachin, jeder Beraterin und jeder Designerin passen würde. Er ist nicht falsch, er gehört nur niemandem.

Gut funktioniert KI an drei Stellen:

Nicht gut funktioniert sie beim Erfinden. Deine Zahlen, deine Beispiele, dein Grenzfall — das kann sie nicht wissen, und wenn sie es liefert, ist es ausgedacht. Genau diese Stellen sind aber die, die überzeugen.

Und die Kosten gehören dazugesagt: Ein ordentlicher KI-Zugang kostet etwa 20 Euro im Monat. Für das Schreiben einer Website reicht meist der kostenlose Zugang.

» Ein Abschnitt, dreimal geschrieben

So sieht der Weg vom Rohmaterial zum fertigen Absatz aus. Die Aufgabe: der Preisabschnitt auf einer Angebotsseite.

Fassung 1, aus der Sprachnachricht abgeschrieben: „Also, das kommt ein bisschen drauf an, weil ja jede Seite anders ist, aber so im Schnitt sind wir meistens zwischen drei- und sechstausend, je nachdem wie viele Unterseiten es sind und ob ich die Texte mache oder nicht, und dazu kommt dann noch das Hosting.“

Ungelenk, aber es steht alles drin — und es klingt nach einem Menschen. Das ist mehr wert als ein glatter Satz ohne Inhalt.

Fassung 2, sortiert: „Eine Website bei mir kostet zwischen 3.000 und 6.000 Euro. Was den Unterschied macht, sind die Zahl der Unterseiten und die Frage, ob ich die Texte schreibe. Hosting und Domain kommen dazu und laufen auf deinen Namen — das sind unter zehn Euro im Monat.“

Fassung 3, laut gelesen und gekürzt: „Eine Website bei mir kostet 3.000 bis 6.000 Euro. Den Unterschied machen die Zahl der Unterseiten und ob ich die Texte schreibe. Hosting und Domain kommen dazu, laufen auf deinen Namen und liegen unter zehn Euro im Monat.“

Drei Durchgänge, keine zwanzig Minuten — und keiner davon ist schwer. Schwer ist nur der Versuch, sofort bei Fassung 3 anzufangen.

» Der Durchgang, der aus Text Texte macht

Wenn alles steht, kommt ein Arbeitsgang, den fast alle auslassen — und er verbessert das Ergebnis mehr als alles andere: einmal laut vorlesen.

Beim Lautlesen fällt sofort auf, was beim stillen Lesen durchgeht: Sätze, bei denen dir die Luft ausgeht. Wörter, die du nie sagen würdest. Stellen, an denen du selbst stockst — dort stockt auch die Leserin.

Dazu drei Streichregeln, die immer gelten: Raus mit „ganzheitlich“, „individuell“ und „mit Herzblut“ — diese drei Wörter stehen auf so vielen Seiten, dass sie nichts mehr unterscheiden. Raus mit Sätzen, die nur ankündigen, was gleich kommt. Und raus mit allem, was nur sagt, was du nicht bist; ein Mensch versteht das, eine Suchmaschine findet damit nichts.

» Was das für dich heißt

Wenn deine Website gerade an den Texten hängt, fang nicht noch einmal bei der Startseite an. Nimm dir stattdessen eine Stunde für das Sammeln: drei verschickte Angebote, fünf beantwortete E-Mails, eine Sprachnachricht an dich selbst.

Danach schreibst du die Angebotsseite, und die ist meist an einem Nachmittag fertig, weil du sie im Grunde schon oft geschrieben hast — nur immer einzeln, an einzelne Menschen.

Von da an geht es bergab statt bergauf. Und falls du merkst, dass es nicht an den Texten liegt, sondern daran, dass die Seite selbst im Weg steht: Genau da fange ich an.

» Häufige Fragen

Wie lang sollten Texte auf einer Website sein?

So lang, wie die Frage braucht, die der Abschnitt beantwortet. Für die Startseite heißt das kurz — meist zwei bis vier Sätze je Abschnitt. Angebots- und Über-mich-Seite dürfen ausführlicher sein, weil dort Menschen lesen, die sich schon entschieden haben, weiterzulesen. Zu lang ist ein Text erst, wenn er wiederholt, was schon dasteht.

Soll ich meine Website-Texte von KI schreiben lassen?

Schreiben lassen: nein. Überarbeiten lassen: gern. KI erzeugt aus einer knappen Anweisung Texte, die zu allen passen und zu niemandem gehören — es fehlen deine Zahlen, deine Beispiele und dein Ton. Gut funktioniert sie, wenn du eigenes Rohmaterial hineingibst und um Umformulieren oder Kürzen bittest.

Womit fange ich an, wenn ich gar nichts habe?

Mit der Angebotsseite, nicht mit der Startseite. Sie ist die leichteste, weil du dort etwas beschreibst, das es schon gibt: Leistung, Preis, Ablauf. Das meiste davon steht in deinen verschickten Angeboten bereits. Die Startseite entsteht später zum großen Teil aus Kurzfassungen der anderen Seiten.

Wie finde ich meinen Ton, ohne gestelzt zu klingen?

Nimm auf, wie du im Erstgespräch antwortest, wenn jemand fragt, was du machst, und schreib es ab. Das gesprochene Wort ist fast immer klarer als das, was am Schreibtisch entsteht. Und lies den fertigen Text einmal laut vor: Jede Stelle, an der du stockst, ist eine Stelle zum Umschreiben.